Chez Buddenbohm hatte ich die interessante Selbst-Darstellung eines Blogger-Workflows entdeckt, und über einen eigenen Text nachgedacht, da flatterte mir auch schon die Einladung von Signora Cucina Casalinga zur Teilnahme via Twitter und Beitrag auf den Tisch, mit der Bitte, den Fragebogen von Frau Donnerhall doch auch auszufüllen. – Gerne doch!
Da ich mich dafür entschieden habe, Meta-Diskussionen nicht auf dem Foodfreak-Blog zu führen, sondern derlei hier lieber in meiner privaten Geek-Spielecke auszuleben, findet sich mein Beitrag also nun hier.
Bloggerinnen-Typ
Food- und Reisebloggerin; hier: Rübe freischreiben. Buchrezensionen gibt es auch noch.
Gerätschaften digital
HTC Sensation XE, iMac 27“ 3,4 Ghz i7, MacBook Pro, Canon S-100, Canon 350-D
Gerätschaften analog
Zählt meine Küche? Stift und Zettel. Bisweilen 4 Fotoleuchten.
Arbeitsweise
Es ist kompliziert. Irgendwo zwischen ADHS-typischem Powerprokrastinieren und totalem Hyperfocus, manchmal total durchorganisiert, dann wieder desaströs zersplittert. Ich kann, wenn ich muss, extrem ranklotzen und im großen Maßstab strukturiert arbeiten, und dann macht es mich irre, wenn Leute, mit denen ich arbeiten muss, das nicht können und mich dadurch ausbremsen. Ich kann mich aber auch gnadenlos bei irgendwas Abseitigem verdödeln…
Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?
Sämtliche meine Blogs laufen dieser Tage auf selbst gehostetem WordPress. Zum Recherchieren benutze ich im wesentlichen den Browser, Feedly als RSS-Reader, und bisweilen auch Bibliotheken. Geschrieben wird – nicht nur für Blogs – in einem Texteditor, hier TextWrangler, aber auch in Scrivener, und oft genug direkt in WordPress. Bookmarks habe ich viele Jahre mit Delicious verwaltet, danach mit Diigo, mittlerweile bin ich aber wegen meines generellen Hangs alles an 17 Stellen abzulegen und dann nicht mehr zu wissen wo es ist, dazu übergegangen, einfach alles in Evernote zu hauen und da konsistent zu taggen. Im Browser habe ich auch noch Bookmarks in Ordnern nach Blogs, da landen Links, die ich zu Artikeln verwenden will, und dann wieder lösche – quasi der Handapparat. Überhaupt stelle ich fest, dass ich zwar einerseits mich immer wieder bei dem Satz “wenn man nicht alles bookmarkt” ertappe (wenn ich etwas suche bei dem ich mir eigentlich total sicher war es gebookmarkt zu haben), ich aber andererseits auch schmerzbefreiter dabei werde, Zeug wegzuwerfen, analog wie digital. Halden toten (und oft veralteten) Wissens behindern manchmal nur den Workflow.
Alles was mir so zufliegt und ich später lesen will, fliegt seit ein paar Wochen in Pocket, wie auch bei Frau Donnerhall. Unverzichtbar für die Bildbearbeitung – aber bei mir nicht die Katalogisierung – ist Lightroom. Scrivener ist meine Allzweckwaffe für alles was irgendwo notiert werden soll, und nicht in einem separaten Textfile rumliegen muss, meine wichtigste Scrivener-Datei liegt in der Dropbox, so dass ich von beiden Rechnern drankomme. In die Dropbox sichere ich auch automatisiert wöchentliche Backups meiner Blogs. Ansonsten benutze ich noch Flickr als Bilderhostingdienst.
Wo sammelst du deine Blogideen?
Ich sammele gar nicht, ich habe davon ohnehin viel zu viele. Wenn es denn gar nicht anders geht, kommt die besagte Scrivener-Datei zum Einsatz. Mehr um mich dazu zu zwingen, sie auch abzuarbeiten, habe ich oft vier oder fünf Artikelentwürfe in WordPress angelegt. Die liegen da dann zwischen einem Tag und einer bisher noch nicht näher definierten langen Zeitspanne, nach der ich sie dann kurzerhand wegschmeisse, wenn ich denn wirklich nicht mehr an das Thema heran mag. Sammeln tun sich bei mir vor allem Fotos, und zwar auf dem Datenserver an, von Zeug das ich gekocht habe und von dem ich noch nicht weiß ob ich es bloggen will, und wahlweise gigabyteweise Reisefotos für noch zu schreibende Artikel…
Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet
Eine Deadline für ein Buch / einen Übersetzungsauftrag im Nacken zu haben. Nie war meine Wohnung sauberer und der kreative Output für alles was mit Bloggen zu tun hat größer und besser. Zugegebenermaßen ist das nicht für jeden eine Option.
Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?
Lange Zeit habe ich mit CheckOff am Mac sehr angenehm gearbeitet. Ansonsten habe auch ich alles nur Erdenkliche ausprobiert – und zwar schon seit den Zeiten des analogen TimeSystem-Büchleins. Das scheitert bei mir immer daran dass ich sowas konsistent pflegen muss, was irgendwann einfach zu mühsam ist, und ich mich an die Sachen, die ich tatsächlich brauche und machen muss, auch ohne TodoApp erinnere (und sie trotzdem nicht mache. Aus Gründen). Termine trage ich – so sie denn existenziell sind – in einen Google Calendar ein, der sowohl mit dem Androiden als auch mit ical abgleicht. Was ich tatsächlich häufiger mache, sind Speise- bzw. Kochpläne – da reichen Stift und Zettel, ich benutze aber auch schon mal Scrivener oder aktuell die Erinnerungsfunktion von OSX.
Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät ohne das du nicht leben kannst?
Auf ein Telefon könnte ich, soweit es um die Funktion telefonieren geht, völlig verzichten. Ein kleines Mobildevice (hier: Smartphone) ist aber in der Tat unverzichtbar. „Nicht ohne leben“ ist mir etwas zu hoch gegriffen. Als Foodblogger wäre ich ohne Herd und Kühlschrank ein wenig indisponiert. Ein Korkenzieher ist nützlich, wenn es auch durchaus guten Wein mit Schraubverschluß gibt. Der Wasserkocher, der für Kaffee und Tee sorgt, ist sicher ein Gerät das ich nicht missen möchte.
Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Querlesen, und obskures und nützliches Zeug/Informationen im Internet finden.
Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Nix. Ich arbeite am liebsten in einer sehr ruhigen Umgebung. Wie ich hier schon schrieb, bin ich ein Zuhörer, kein Weghörer, und in meinem Kopf broadcasten genug Stationen parallel, die um Aufmerksamkeit ringen. Musik höre ich bewusst, um dazu durch die Wohnung zu tanzen, oder in Klängen zu baden, zu entspannen, Spaß zu haben, und beim Autofahren (wenn ich alleine fahre) und Bahnfahren (dito), oder auch beispielsweise im Bus in Malaysia auf der Langstrecke. Dann dient sie als Soundtrack für den Trip, ist aber auch handausgewählt. Bei aller mitunter chaotischen Arbeitsweise bin ich jemand der Ordnung braucht (und Stille ist sowas wie akustische Ordnung). Mein Schreibtisch ist üblicherweise tipptopp aufgeräumt und von Kram befreit und geputzt; ich lenke mich sonst automatisch mit $irgendwas ab.
Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall?
Lerche. Early Bird. Und zu wenig Schlaf (leider). Bis zu einer Episode, bei der ich mit Tinnitus drei Monate quasi gar nicht schlief, habe ich entspannte 8 Stunden je Nacht geschlafen, 10 waren das was ich im Urlaub mitnahm. Seither kann ich (ohne Medikamente oder Alk) maximal drei Stunden am Stück schlafen, wenn ich Glück habe zweimal die Nacht. Ich bin – von diesen Problemen abgesehen – normalerweise munter und wach und bereit zu Schandtaten, wenn es draußen hell ist. Das heißt im Sommer um 4 Uhr früh, im Winter eher gegen 8. Sehr früh kann ich unglaublich viel erledigen; ich arbeite gern Kram für Kunden ab, die den dann um halb 10 wenn sie ins Büro kommen, fertig in der Inbox haben. Der Energielevel und Fokus schwankt über den Tag, gegen 18 Uhr fallen bei mir dann meist die Vorhänge, was Arbeiten / Bloggen angeht.
Eher introvertiert oder extrovertiert?
Introvertiert bis zur vollen Soziophobie. Je mehr Leute desto schlimmer. Geräusche, Gerüche, Kommunikationsoverload. Mit Leuten, die ich mag und denen ich vertraue, kann ich auch aus mir heraus, aber sicher nie so weit dass es annähernd „extrovertiert“ wäre. Meine Position ist eher Beobachter und eventuell Kommentator als Teilnehmer.
Wer sollte diese Fragen auch beantworten?
Den Herrn Clockworker würde ich dazu gern lesen, und Markus von Text und Blog, wenn sie denn Zeit und Lust haben
(wobei ich bei @Textundblog befürchte dass es an der Zeit scheitert).
Der beste Rat den du je bekommen hast?
Ich bin superallergisch gegen Ratschläge. Wenn ich um „Rat“ frage, dann weil ich eine Zweit- oder Drittmeinung will, und mir mein eignes Bild machen. Der beste Ratschlag, den ich kenne, ist ein Mark Twain zugeschriebenes Zitat, das sich aber wohl nicht sicher auf ihn zurückführen lässt:
Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.
Noch irgendwas wichtiges?
Sonne auf der Haut, Wind im Gesicht, tief durchatmen, das Dasein genießen. Gutes Essen, Zeit mit Menschen verbringen die uns gut tun.