Bei Don Dahlmann stiess ich auf eine Liste der 100 Bücher die angeblich bei Deutschlands Lesern am beliebtesten sind. Angesichts der Verkaufszahlen von Stephanie Meyer und Joanne Rowling wage ich die Liste leise anzuzweifeln. Das ist wie immer: glaube keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast… wie solche Kanon-Listen zustande kommen darüber kann man ja trefflich diskutieren.
Dennoch finde ich den Soll-Ist-Vergleich wie auch bei Anke Gröner oder Frau Kaltmamsell spannend. Irgendwann muss ich mal meine eigene 100 books to read before you die-Liste bauen, glaube ich.
Danke für die Inspiration, hier ist meine kommentierte Liste. Fett gesetzt = habe ich gelesen.
1. Der Herr der Ringe, JRR Tolkien
Da muss ich im Teenager-Alter gewesen sein und habe Bücher inhaliert. Dennoch hat mir Band zwei arg viel Geduld abgerungen die ich heute nicht mehr aufbrächte. Heute würde ich das Buch allerdings auch im Original lesen. Auf Deutsch geht übrigens für mich ausschliesslich die (alte) Carroux-Übersetzung. Die von Krege funktioniert für mich aus vielen Gründen nicht. Aus der Kategorie blödsinnige, niemals umgesetzt werdende Projekte: den Herrn der Ringe _vernünftig_ neu übersetzen… Kultfaktor? Kult ist für mich vor allem Tolkiens akribische Arbeit bei der Erschaffung seines “Universums” einschliesslich kompletter Sprachen.
2. Die Bibel
Okay, ich habe sie nicht komplett gelesen. den Faktor quergelesen kriege ich hin. Ich habe die erforderlichen Evangelien gelesen, weite Teile des Alten Testaments, die Johannesoffenbarung und eine ganze Menge mehr, teils erzwungen (Religionsunterricht), teils freiwillig, teils mehrmals nach der Lektüre von Franz Buggle oder Karlheinz Deschner, teils in der Diskussion mit Pietisten meiner damaligen erweiterten Familie. Wie ich überhaupt den Eindruck habe, dass sich Atheisten in der Bibel oft besser auskennen als Gläubige… Muss man als Schreibender vor allem wegen der Folgen für die deutsche Sprache seit Luther in Form geflügelter Worte, Redewendungen etc. kennen.
3. Die Säulen der Erde, Ken Follett
4. Das Parfum, Patrick Süskind
Als Hardback kurz nach dem Erscheinen gelesen. Sprachlich wie sinnlich faszinierend.
5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry
Ein Buch dem ich eben so wenig abgewinnen kann wie dem Film Forrest Gump. Vielleicht mangelt es mir einfach an der passenden Grundhaltung. Oder es ist meine grundsätzliche Antipathie gegen alles was irgendwie hypig ist. Oder vielleicht die Tatsache dass .. ach egal. Overrated.
6. Buddenbrooks, Thomas Mann
Ich habe einiges von Mann gelesen, aber seltsamerweise nicht die Buddenbrooks. Ist auf meiner mentalen “Wenn ich mal zwei Wochen im Winter an der Ostsee Urlaub mache”-Liste,
7. Der Medicus, Noah Gordon
8. Der Alchimist, Paulo Coelho
9. Harry Potter und der Stein der Weisen, JK Rowling (nur englisch)
Ich habe Harry Potter nie gelesen, vielleicht auch wegen der Hype-Allergie. Oder weil mich kleine zaubernde Jungen per se nicht ansprachen. Steht auf der Vielleicht-und-wenn-dann-im-Original-Liste.
10. Die Päpstin, Donna W. Cross
11. Tintenherz, Cornelia Funke
12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon
13. Das Geisterhaus, Isabel Allende
14. Der Vorleser, Bernhard Schlink
15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe
Musste ich in der Schule lesen. Hat mich thematisch nur bedingt gefesselt, vielleicht aber auch weil ich zu dem Zeitpunkt schon sehr viel mehr Literatur intus hatte als die meisten meiner Klassenkameraden. Goethes Sprachgewalt beeindruckt mich, der Faust an sich, nunja. Fällt unter muss wohl, wenn man Abitur gemacht hat. Meines Erachtens hat die Welt schon spannendere Stücke gesehen.
16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafón
17. Stolz und Vorurteil, Jane Austen (nur englisch)
18. Der Name der Rose, Umberto Eco
Die ersten 50 Seiten haben mich ziemlich genervt. Aber zu der Zeit lernte ich noch Latein in der Schule, und ich habe bis heute Spaß an diesem Buch, es ist unglaublich vielschichtig und ich entdecke immer noch neue Dinge die Eco darin verwoben hat. Die Kriminalgeschichte ist eher banal, die semiotische Reise durch die Kulturgeschichte dagegen ein Klops von der Komplexität der (an Borges angelehnten) Bibliothek des Klosters, deren Topographie mich schon als Teenager fasziniert hat.
19. Illuminati, Dan Brown
Muss ich unbedingt lesen, und zwar im Original, weil ich schon diverse Aufsätze über die unglaublich schlechte Schreibe des Autors gelesen habe. Kann aber vermutlich nur ein Verriss bei rauskommen.
20. Effi Briest, Theodor Fontane
21. Harry Potter und der Orden des Phönix, JK Rowling (nur englisch)
22. Der Zauberberg, Thomas Mann
Habe ich auch zu meinen Teenagerzeiten gelesen. Gab mir damals nichts. Das könnte mir heute anders gehen, aber mein Lesestapel ist so hoch, dass ich wohl nie die Zeit in einen zweiten Anlauf investieren werde.
23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell
24. Siddharta, Hermann Hesse
25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch
26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende
Noch mehr Teenager-Lektüre. Die fantastischen Welten die Ende zeichnet, waren farbenfrohe Gebilde meiner Fantasie, der moralisch-esoterische Zeigefinger hat mich aber auch schon beim ersten Lesen genervt. Im Grunde war das Buch mein Wunschtraum – eine fantastische Geschichte die niemals endet, in die ich mich flüchten kannt. Die spätere Verfilmung war so grausam am Buch vorbei, dass es mich noch heute schüttelt.
27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn
28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt (auf Englisch)
29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse
30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley (auf Englisch)
Ich muss gestehen, ich habe das meiste von MZB gelesen, und das meiste auf Deutsch und Englisch, dieses Buch allerdings nicht. Ich habe es nur auf Deutsch gelesen, und zwar an einem Stück. Ohne Scherz. Es ist denke ich ein typisches “Frauen”-Buch, nicht nur wegen der für die damalige Zeit als feministisch zu betrachtenden Perspektive, sondern auch der Stil einer Historienerzählung die familiensaga-mässig Legende und Religion mit Intrigen, Liebe, Mord und Magie mischt. Für mich war es ein Augenöffner, der mir den Blick auf Ritterromantik und Artussage für Jahrzehnte verändert hat.
31. Deutschstunde, Siegfried Lenz
32. Die Glut, Sándor Márai
33. Homo faber, Max Frisch
Musste ich kurz vor dem Abitur lesen. Ich habe dieses Buch mit Inbrunst gehasst und nie wieder so viel Mühe gehabt etwas fertig zu lesen.
34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny
35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera
36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez
37. Owen Meany, John Irving
38. Sofies Welt, Jostein Gaarder
39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams
Mehrfach, erst übersetzt, später im Original, alle Bände, auch wenn drei vollauf gereicht hätten. Ist bis heute Kult, an dem sich die Geister scheiden. Ich stehe dazu: ich mag den Anhalter, immer noch, wenn sich auch meine Beziehung dazu über die Jahre gewandelt hat.
40. Die Wand, Marlen Haushofer
41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving (auf Englisch)
Steht auf der Must-Read-Liste wie eigentlich alles von Irving (seufz).
42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez
43. Der Stechlin, Theodor Fontane
44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse
45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee (auf Englisch)
46. Joseph und seine Brüder, Thomas Mann
47. Der Laden, Erwin Strittmatter
48. Die Blechtrommel, Günter Grass
Zu Grass habe ich keinen Bezug. Ich erinnere mich an einen Deutsch-Kurs in der 12. oder 13. Klasse, in dem ich meinem leicht entsetzten Lehrer zu ‘Katz und Maus’ erklärte dass ich die zugrundeliegende männliche Pubertäts-Symbolik einfach als Frau nicht besonders identifikationsstiftend und nachvollziehbar fände. Mit der Blechtrommel geht es mir ähnlich. Ich habe es gelesen, ich kann intellektuell die “Faszination” des Werkes nachvollziehen, aber ich kann ihm nichts abgewinnen.
49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque
Ein dramatischer, schonungsloser Blick in die Schützengräben des 1. Weltkriegs. Hat mich damals sehr beeindruckt.
50. Der Schwarm, Frank Schätzing
51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks
52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, JK Rowling (auf Englisch)
53. Momo, Michael Ende
Die Amerikaner würden es wohl ganz klar als Young Adult Fiction bezeichnen. Für diese Zielgruppe ist es geschrieben, und im richtigen Alter rezipiert ist es eine wunderschöne Geschichte mit viel Nachdenkpotenzial. Heute risse mich die Story wohl nicht mehr vom Hocker.
54. Jahrestage, Uwe Johnson
55. Traumfänger, Marlo Morgan
Dazu verweise ich am besten auf meine Rezension des Buches. Sehr interessant zu lesen, aber völlig hanebüchen und vor allem wegen der Kritik dran spannend.
56. Der Fänger im Roggen, Jerome David Salinger (auf Englisch)
Abiturlektüre, Englisch-LK. Ich mochte das Buch, halte es aber ebenfalls für Young Adult Fiction. In den USA geniesst es anscheinend Kultstatus. Das ist meines Erachtens etwas zu hoch angesiedelt.
57. Sakrileg, Dan Brown
58. Krabat, Otfried Preußler
Grossartige Umsetzung traditionellen Sagenmaterials, wie überhaupt Preußler eine sehr atmosphärische Schreibe hatte.
59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren
Kinderklassiker. Muss man mehr sagen?
60. Wüstenblume, Waris Dirie
61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro
62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson
63. Mittsommermord, Henning Mankell
Nachdem ich Kenneth Branagh als Wallander gesehen habe hätte ich nicht übel Lust mir Mankell zu geben. Aber dann vielleicht so dass ich nebenher gleich noch Schwedisch lerne und das Original lesen kann, deswegen auch eher auf einer Irgendwann-Mal-Liste.
64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell
65. Das Hotel New Hampshire, John Irving (auf Englisch)
66. Krieg und Frieden, Leo N. Tolstoi
67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse
68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher
69. Harry Potter und der Feuerkelch, JK Rowling (auf Englisch)
70. Tagebuch, Anne Frank
71. Salz auf unserer Haut, Benoite Groult
Wäre mir fast durch die Lappen gegangen, ich musste es nochmal nachschlagen. Habe ich in der Tat gelesen, fand es aber extrem verzichtbar.
72. Jauche und Levkojen, Christine Brückner
73. Die Korrekturen, Jonathan Franzen (auf Englisch)
Das scheiterte effektiv daran dass ich die ersten 80 Seiten gelesen habe – und sie unsäglich schlecht fand.
74. Die weiße Massai, Corinne Hofmann
75. Was ich liebte, Siri Hustvedt (auf Englisch)
76. Die dreizehn Leben des Käpt’n Blaubär, Walter Moers
77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé
78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt
79. Winnetou, Karl May
Ich habe quasi den kompletten Karl May in meiner Jugend gelesen. Fasziniert haben mich Dinge wie Beschreibungen von Naturwundern in den USA in seinen Büchern, die ich nur aufgrund dieser plastischen Beschreibungen auf Bildern erkennen konnte. Ausserdem habe ich absolut *alles* mit Indianern verschlungen.
80. Désirée, Annemarie Selinko
81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig
82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving
83. Die Sturmhöhe, Emily Brontë (auf Englisch)
84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern
85. 1984, George Orwell
Mehrfach, immer wieder. Heutzutage gar nicht mal mehr so dystopisch, aber auf jeden Fall ein Klassiker, der die Mechanismen der Macht bis heute blitzsauber aufdeckt.
86. Mondscheintarif, Ildiko von Kürthy
87. Paula, Isabel Allende
88. Solange du da bist, Marc Levy
89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johannes Mario Simmel
Ich bin sicher dass ich das gelesen habe, einiges von Simmel. Er hatte eine flotte, unterhaltsame Schreibe. Das ist aber auch alles was ich dazu sagen kann.
90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho
91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell
92. Der Meister und Margarita, Michail Bulgakow
93. Schachnovelle, Stefan Zweig
94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski
95. Anna Karenina, Leo N. Tolstoi
96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski
97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas
Finde ich bis heute klasse – das ist Unterhaltung par excellence, kein Anspruch, aber alle Drehungen und Wendungen die man von einem abenteuerlichen Plot so erwartet.
98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel
99. Jane Eyre, Charlotte Brontë
100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Wood
Fazit:
Ich komme auf 23 von 100. Das ist mehr als ich angesichts mehrfacher Nennungen von Irving, Rowling, Marquez erwartet hätte. Einiges davon möchte ich noch lesen, eine Menge reizt mich aber auch gar nicht.