#609060, HAES, und Backpacks

Zu dem aktuellen Mem #609060 wurde in den letzten Tagen viel geschrieben und getwittert, auch in die oldskool-Medien hat es das Mem geschafft, deswegen lasse ich mich dazu gar nicht groß weiter aus – Anke Gröner hat recht gut zusammengefasst was mich daran stört, wenn ich auch den ‘headless fatties’-Aspekt nicht so sehe – ich will einfach nicht mit meinem Konterfei im WWW vertreten sein, aus Gründen die nur sehr rudimentär mit self-acceptance und sehr viel mehr mit ganz anderen Dingen zu tun haben, aber sei’s drum.

Worum es geht ist jedenfalls, bewusster zu machen, dass es Frauen in mehr Erscheinungsformen gibt als in Modelmaßen und Größe 32/34, und die Vielfalt der Erscheinungsformen als normal und auch gut so begreifen zu lernen. Da kann ich allerdings gerade aus ganz praktischen Erwägungen nur laut lachen.

Exkurs: ich bin beinahe 1,80 m groß. Das ist so weit nichts Ungewöhnliches, auch nicht die Tatsache dass ich Schuhgröße 41 trage, obwohl es da für die normierte Frau langsam eng wird (darüber ist Schuhe kaufen ein Drama sondergleichen). Ich habe ausserdem ausgeprägt weibliche Formen, vulgo große Brüste und breite Hüften; auch so weit geht das ja noch halbwegs. Aber jetzt kommt’s: aufgrund eines genetischen Quirks habe ich von meinem Vater nicht nur besagte große (und breite und mit hohem Spann ausgestattete) Füße geerbt, sondern auch noch extrem kurze Beine und einen sehr langen Rumpf mit sehr langen Armen und sehr breiten Schultern.

Was dazu führt, dass der Erwerb von Oberbekleidung ein mittleres Fiasko ist. Finde ich etwas, dessen Ärmel lang genug sind, und bei dem ich nicht im Freien stehe wenn ich die Arme hebe, passt es – weil es im Zweifel für Kerle geschnitten wurde – nicht über meine Brüste oder schliesst im Fall von Jacken nicht auf der Hüfte. Trage ich Frauen-”Konfektion”, mögen ja die sekundären Geschlechtsmerkmale noch schneidertechnisch eingeplant sein, selbst Hüften kommen gelegentlich vor, aber die Ärmellänge ‘lang’ wird dann unversehens zu 3/4, und ein Anspannen der Schultermuskulatur gipfelt nicht selten in einem Geräusch reissenden Stoffes.

Dass Herrenklamotten meist bequemer, mit mehr / schlaueren Taschen ausgestattet, und häufig auch aus hochwertigeren Materialien gefertigt sind, macht es relativ leicht, mich für Herrenhemden, -jacken und Pullis zu entscheiden, so sie denn über besagte Körperbereiche passen. Aber schaut man sich an, wie viele Bauch-, Unter- und Sonstwas-Größen es für Männer gibt (zu meiner Rettung), frage ich mich schon, warum es Frauenbekleidung nur in Standardgrößen und vielleicht noch ‘petite’ und ‘tall’ (aber dürr) gibt? Hallo? Health at every size ist ein schönes Konzept – für den Anfang würde ich aber auch tragbare Kleidung at every size nehmen.

Stattdessen tun wir / die Klamottenmacher auch weiterhin so, als würden wir alle in one size fits all passen. Und über das Drama, bequeme, passende und vielleicht sogar näherungsweise elegante Schuhe zu finden, wenn frau keine zierlichen Elfenfüßchen hat, oder aus technischen Gründen keine hochhackigen Schuhe tragen kann, kann man eigentlich nur den Mantel wütenden Schweigens decken. Von “der Kunde will das so” kann absolut keine Rede sein.

Womit ich dann zum eigentlichen Anlass meines Textes komme… Wie an anderer Stelle zu lesen war, brauche ich ein Backpack. So langsam kristallisiert sich dabei ein Deuter Futura heraus, auch wenn es gut möglich ist, dass es das dann doch nicht wird. Und da finde ich dann, dass es das Backpack der Wahl unter anderem in folgenden Versionen gibt:

  • 38 Liter (Pro) – eigentlich gerade so eben zu klein
  • 42 Liter – ohne Pro, ohne einige Features und Seitentaschen die ich gern hätte
  • 45 +10 Liter (Vario) (SL)
  • 50 +10 (Vario)

Im Grunde reichen mir 45 Liter; mit jeden zusätzlichen paar Liter wird das Backpack auch höher, was mir nicht so gut gefällt; am liebsten würde ich 32 Liter nehmen (trägt sich grandios), aber ich sehe noch nicht ganz, dass ich damit das abdecken kann was ich will. Den 50-Liter Vario habe ich probegetragen, das geht ganz komfortabel, ist mir aber fast zu groß und zu schwer. Nun würde sich der 45-Liter-Rucksack anbieten – wäre da nicht das SL. SL bedeutet bei Deuter, dass es für kurze Rückenlängen optimiert ist, Zitat

Der Futura Vario 45+10 SL ist auf Frauen ausgelegt: Das zeigt sich in schmaler geformten und kürzeren Schultertragegurten, einer kürzeren Rückenlänge und schräg angewinkelten Hüftflossen (konisch, wenn geschlossen)

Toll ™. Ich habe breite Hüften, eine auf runde Hüften ausgelegte Flossenform wäre also wünschenswert, aber der Rest kollidiert voll mit meinem Schwimmerkreuz. Und konsequent macht Deuter (und andere) seine Frauenbackpacks immer etwas “leichter” (im Sinne von weniger Volumen) als die Männerbackpacks; wieso eigentlich, das schwache Geschlecht? Warum gibt es nicht mal alle Größen in allen Varianten? Also mit Hüftflossen für Männer und für Frauen, mit anpassbaren Straps für breite und schmale Hüften, Brustgurt für kleine und große Brustumfänge, usw.? In der Futura-Reihe gibt es 12 Rucksäcke, und alle sind unterschiedlich konfiguriert. Statt 2 Liter mehr oder weniger und eine Seitennetztasche mehr oder weniger fände ich es sinnvoller, vergleichbare Modelle herzustellen, denn wie ich neulich schon anmerkte, ist das Kaufen eines Rucksacks, wenn man nicht den Normgrößen entspricht (damit der Schlenker zurück zu #609060), komplizierter als Kühlschränke kaufen.

Aber bis die Erkenntnis, dass es kaufwillige und zahlungskräftige Kunden in verschiedenen Körperformen gibt, bei den Rucksackherstellern ankommt, könnte es wohl noch dauern. Ich such dann mal weiter.

2 thoughts on “#609060, HAES, und Backpacks

  1. Ich fühle mit Dir, was Klamottenkauf angeht. Inzwischen hab ich den Traum einer tragbaren Treckinghose aufgegeben.
    Was an Po und Hüfte gut sitzt, ist unten 20cm zu lang.
    Denn ich bin eher Format pummeliger Gartenzwerg, 157cm groß und bei den Hosengrößen schwankt es zwischen 42 und 44. Am Liebsten hätt ich gern ‘ne 21, aber find das erst mal.

    Nun könnte man ja einfach die Hose unten kürzen, aber ne gute Treckinghose hat ausgeformte Kniepartien und vielleicht noch eine Justierung am Hosenbeinende. Wunschtraum, dies dann auch passend zu finden. Und Hosen, die von vornherein so vorgesehen sind, daß man sie einkürzt (wie FjällRäven sie anbietet) sind dann wieder am Oberschenkel so eng, daß sie spannen. Bequem ist was anderes.

    Und so bleib ich bei meinen Lands’ End Jeans, denn die passen zuverlässig. Und sind für Eitle mit schmeichelnden Größen versehen, denn da hab ich nur noch eine 8P, statt der 14, die es eigentlich sein müßten…

    Bei Deinem Rucksackproblem kann ich Dir leider nicht helfen, ich hab den Deuter Act Lite 35+10 SL und der paßt für meinen kurzen Rücken sehr gut. Daypack ist ein The North Face Recon, aber der ist für Tagestouren grad so ausreichend. Da hilft echt nur Probetragen.

    Nicht aufgeben und nicht aufregen ist die Devise.

    Gruß, Elli

  2. Pingback: Ein Mem ist ein Mem ist ein Mem #609060 | Journelle

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