Den Feind zum Freund machen

März 1, 2008 under Leben, Schreiben

Heute nacht konnte ich mal wieder nicht schlafen. Insomnia, so ein bekannter Gast in meinem Hause, scheint viele Autoren zu quälen. Neben der einen oder anderen organischen Ursache waren diese Nacht allerdings zwei weitere Faktoren beteiligt.

Es begann mit den offenbar im Teenager-Alter befindlichen Töchtern unserer Nachbarin (die Ironie ist an mich nicht vergeudet, dass die Frau keine 4 Wochen nach ihrem Einzug bei uns vor der Tür stand um uns zu bitten doch ihre Nachtruhe zu wahren, weil wir gewagt hatten bei Zimmerlautstärke nach 23 Uhr Snooker zu schauen). Die Mädels hatten offenbar einen guten Freitag abend bzw. zu diesem Zeitpunkt bereits Samstag morgen und kicherten, gickelten und unterhielten sich sehr laut und mit einigen Kraftausdrücken garniert. Aber irgendwann war ich dann doch weggedöst, als Faktor zwei zuschlug: das Wetter. Click here to read more.. »

Ich werde alt

Dezember 17, 2007 under Leben

Manchmal komme ich mir ziemlich bescheuert vor. Zum Beispiel heute. Klar, ich sollte – “Sollte” wie das schon klingt – was schreiben. Klar – hinter mir liegen zwei Bände Sekundärliteratur für ein Projekt die *dringlich* gelesen werden wollen da die Leihfrist (nicht verlängerbar) abläuft. Ich weiss nicht wie andere Autoren das machen, die können ja auch nicht alle Sekundärliteratur kaufen, wie gehen andere Schreibende mit dem Verbummeln von Rechercheaufgaben um? Normalerweise macht mir das Spaß, aber es gibt eben auch Tage wo es nicht zündet.

Stattdessen lese ich Blogs. Politische, netzkritische Blogs. Ausgerechnet ich. Wo ich von dem ganzen selbstreferentiellen zwonullhypenden Bloggeschwurbel Marke männlicher rechthaberischer Schwanzlängenvergleich so die Nase voll hab. Ein Männerspielplatz, habe ich neulich schon einmal genervt festgestellt. Wo mir Deutschland und seine Politik zu den Ohren rauskommen und ich eigentlich nur noch so weit wie irgend geht weg will. Und dann ertappe ich mich dabei wie ich hier im Schreib-Blog schon wieder bei den gesellschaftspolitischen Themen ankomme… old habits die hard.

Eigentlich wollte ich meine Blogs Ende des Jahres schließen, aber gerade fühlt es sich so an, als blieben sie noch eine Weile auf, vielleicht weil ich den Scheixx einfach nicht mit meiner Seele vereinbaren kann. Nein, stattdessen mache ich einen Tumblr-Acount auf, um zu sammeln was mich alles wegtreibt. Vielleicht hilfts ja beim Wegwollen, Weggehen. Ein Tritt in den Arsch. Noch besser, das nötige Kapital… das ist was mir fehlt.

Lesen.

Ich war in einer der vielen Bibliotheken der Stadt (Verbund) um mir ein ganz bestimmtes Buch über Selbstorganisation auszuleihen. Click here to read more.. »

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Rauf und runter

Dezember 7, 2007 under Leben, Schreiben

Momentan befinde ich mich in einem ziemlichen Wechselbad der Gefühle…

Auf der einen Seite habe ich gerade von einem Verlag erfahren, dass eins der angedachten Projekte mit meiner Co-Autorin nun realisiert werden soll, und auch wenn der Vertrag alles andere als in trockenen Tüchern ist, ist das doch eine ziemlich gute und tolle Nachricht, besonders nachdem so viele Verlage dankend abgelehnt haben, und wir das Thema so gern machen möchten.

Auf der anderen Seite sind gerade wieder zwei neue Bücher zu einem Thema erschienen, an dem ich seit einem Jahr recherchiere (und in Summe seit mehreren Jahren sitze). Besonders die zweite Neuerscheinung ist ein historischer Roman genau der Art, die mir vorschwebt. Nicht nur dass ich den jetzt auch noch lesen muss, das Thema scheint langsam abgegrast. Aber ich bin nicht bereit meine Arbeit dafür einfach sausen zu lassen… frusten tut es mich dennoch. Weiterschreiben? Hoffen dass es dafür in ein paar Jahren einen neuen Slot gibt? Meinen eigenen Dreh zum Thema finden, besser sein… ach verdammt.

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Zu laut

November 1, 2007 under Leben

Zwischen zwei Terminen habe ich mich mit dem Laptop in die Zentralbibliothek gesetzt, sogar einen Platz mit Steckdose an einer einigermaßen ruhigen, durchgangsverkehr- und beratungsarmen Stelle ergattert. Das vorletzte Mal als ich hier konzentriert arbeiten wollte, saß ich in direkter Hörweite von einem Beratungsplatz, dessen Betreuerin offenbar ihre elektronische Hörhilfe abgeschaltet hatte…

Sei’s drum, die Illusion der Ruhe trog.

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Brief an A.

Oktober 23, 2007 under Leben, Schreiben

Heute habe ich einen Brief an A. fertiggestellt, eigentlich gestern, heute zur Post gebracht. Obwohl ich die Briefe an ihn oft im Kopf Tage im Voraus formuliere, dauert es meist mehrere Wochen bis ich damit fertig bin – nicht dass mir das Englische nicht läge, im Gegenteil… ich weiss nicht ganz woran es liegt, ich war jahrelang selbst von Hand eine gute Briefschreiberin, habe lange, regelmässige Briefe geschrieben. Vielleicht hat es damit zu tun, dass auch nach einigen Briefen hin und her das Verhältnis zwischen uns recht merkwürdig ist – wie sollte es auch anders sein.

A. sitzt in lebenslanger Haft in einem Gefängnis in den Südstaaten der USA. A. ist schwarz, ein Mann mittleren Alters. Bis heute weiss ich nicht weswegen er verurteilt wurde, die Website, die derlei Brieffreundschaften vermittelt – Stimmen von drinnen – empfiehlt, Häftlinge nicht danach zu fragen, wenn sie nicht von selbst damit herausrücken, weil vielen ihr voriges Leben peinlich und unangenehm ist, sie sich angesichts ihres bedrückenden Allages lieber auf Dinge konzentrieren möchten, die nichts mit ihrer Haft zu tun haben. Verständlich. Das stelle ich auch bei A. fest, dem ich nun über ein Jahr schreibe.

Er sagt, dass sein Alltag daraus besteht 23 Stunden am Tag in einer Zelle zu sitzen, 1 Stunde am Tag Bewegung zu haben. Ich weiss dass es in seinem Gefängnis Menschen mit mehr Privilegien gibt, ich frage mich manchmal schon, was er auf dem Gewissen hat. Nachdem A. mir gerade geschrieben hat, dass eine Gesetzesnovelle in USA ihm möglicherweise eine Option auf einen neuen Prozess eröffnet, bei dem er – natürlich – glaubt freigesprochen zu werden, habe ich mich vorsichtig getraut, ihn nach seinem Fall zu fragen, ich bin gespannt ob er antwortet. Bislang war er sehr sparsam mit persönlichen Informationen.

Warum habe ich mir ausgerechnet jemanden aus der Todeszelle bzw. mit einer lebenslänglichen Haft ausgesucht?

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Gedankenfindungstörung

Oktober 11, 2007 under Leben, Schreiben

Seit Stunden sitze ich an einem Text über mein derzeit sehr gespaltenes Verhältnis zu Blogs, dem Bloggen an sich und der deutschen Blogosphäre bzw. einem relativ prominenten Querschnitt derselben. Ich habe einige hundert Zeilen Text geschrieben, verworfen, neu geschrieben, umgeschrieben, gelöscht und von vorn angefangen. Was ursprünglich ein Essay zur Blogkultur hätte werden sollen oder ein Abschied aus der Welt des Bloggens, entzog sich mir immer mehr. Der Nucleus des Textes mutierte beim Schreiben zu etwas völlig anderem, das mit dieser Ausgangsidee nichts mehr gemein hatte, dem es an innerer Struktur fehlte, und das so gar nicht das ausdrückte was ich sagen wollte. So etwas passiert mir selten.

Zum Glück ist dies keine Auftrags- oder gar Terminarbeit, sondern einfach “nur” ein Thema das mich beschäftigt und über das ich heute beim Schreiben sehr intensiv nachgedacht habe. So intensiv, dass ich nach einigen Einsichten beschlossen habe, dieses Blog neu aufzusetzen und mich hier ausschließlich und aus meinem gänzlich subjektiven Blickwinkel einer Autorin mit Themen rund ums Schreiben auseinanderzusetzen.

Normalerweise fließen Worte und Gedankenfäden mir einfach in die Tastatur. Ich strukturiere schreibend meine Gedanken. Wenn das Ergebnis ein anderes ist als das erwartete, ist das in auch in Ordnung. Aber was macht man als Autor, wenn ein Text einfach nicht so will wie man sich das gedacht hat?

Nachdem ich mir Mühe gegeben und Zeit genommen habe, konzentriert daran zu arbeiten, ich mir also nicht mehr beweisen muss, dass ich mich ernsthaft damit auseinandergesetzt und nicht einfach aufgegeben habe, nachdem ich das Thema von verschiedenen Blickwinkeln und sprachlichen Perspektiven und Ansätzen her angegangen bin, bin ich immer noch nicht da wo ich hinwollte, nämlich bei einem sinnvollen, strukturierten Text. Das ist ärgerlich, aber es ist kein Weltuntergang.

Meine Lösung für heute: ich archiviere die Textfragmente die stehen geblieben sind zur späteren Verwendung oder Begutachtung, und lasse das Thema ruhen, bis es geschrieben werden will. Oder eben auch nicht.

Und was könnte passender als Einstiegspost in dieses Blog sein als meine eigene kleine Schreibblockade, die gleichzeitig auch Geburtshelfer für dieses Blog war?

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