Wettbewerbe und Förderpreise

September 29, 2008 under Schreiben

Bei der Durchsicht diverser Wettbewerbe und Ausschreibungen für Literaturpreise und Fördermittel fällt mir zunehmend auf, dass die meisten, die auf einer Veröffentlichung beruhen, explizit Print-on-Demand-Dienste ausschließen. Anders gesagt – gefördert wird nur, wer auch schon mal einen Verlag überzeugen konnte sein Zeug zu veröffentlichen.

Einerseits verstehe ich ja, dass die Preise “echte” aka veröffentlichte Autoren fördern sollen, und dass im Zeitalter von Print-on-Demand nunmal theoretisch jeder sein Buch drucken lassen kann. Andererseits… sollten Preise nicht danach vergeben werden ob ein Buch gut ist, anstelle danach wo es verlegt wurde?

Solche Förder-Aktionen könnten doch gerade Autoren eine Chance geben, die aus welchen Gründen auch immer durch ein Verlagsraster gefallen sind. Wenn ich mir ansehe was für ein Schrott bisweilen auch bei großen Verlagen gedruckt wird, und welch banale Werke große Auszeichnungen erhalten, oder welch grauenvoll schlecht geschriebene Machwerke sich toll verkaufen, dann würde so eine Förderung jenseits der etablierten Wege wirklich Sinn machen.

Aber vermutlich denke ich da einfach zu idealistisch.

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Was ist Arbeit?

August 27, 2008 under Leben, Schreiben

In der Welt von Anzügen oder Blaumännern und 9-to-5-Jobs (oder tariflichen Arbeitszeiten) ist Arbeit das wo man hingeht und wofür man bezahlt wird.

Heute wurde mir mal wieder schmerzlich bewusst, dass das als Selbstständige, noch dazu als Autorin, einfach ein fatales Konzept ist. Eins, das ich erst mal aus den Hirnwindungen bekommen muss.

Die Wahrnehmung anderer von Autoren ist oft, ihr habt doch jede Menge (Frei-) Zeit und tut eigentlich nicht wirklich was. Diese Wahrnehmung übernimmt man ganz schnell. Hey, schliesslich kann sich jeder hinsetzen und ein Buch schreiben. Wenn er nur genug Zeit hätte…

Dass dem keineswegs so ist aus einer Vielzahl von Gründen, möge mal Thema für ein anderes Post sein. Heute geht es mir um Arbeit. Was ist Arbeit?

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Bauchgefühl

April 30, 2008 under Leben, Schreiben

Seit Wochen, nein Monaten, liegt ein Exposé für ein Sachbuch bei einem Verlag. Heute, nachdem der Verlag vor einigen Tagen einen indiskutablen Vertrag vorgelegt hat, und auf den Gegenvorschlag (Normvertrag) erst mal sinngemäss mit einem “Was ist das denn?” reagierte, habe ich endlich mal auf mein Bauchgefühl gehört.

Der Lektor – der mir beim persönlichen Gespräch nicht eben sympathisch war, was eh schon ungünstig ist – hatte andere Vorstellungen von dem Buch. Was sein gutes Recht ist. Allerdings nur höchst vage nebulöse Vorstellungen rund um ein paar nicht minder vage nebulöse Trendbegriffe herum. 3 Monate später sind wir keinen Deut weiter. “Das geht schon das wird schon da können wir noch” ist einfach keine Basis für einen Vertrag.

Wenn ich ehrlich bin, diese unklare Lage hat mich beim Arbeiten blockiert – wie soll ich auch auf etwas hinarbeiten wenn ich nicht weiss auf was? Ausser dass mein Ansatz dem Verlag nicht gefällt bzw. nicht in die “Linie” passt in der es veröffentlicht werden soll. (Auf Beispiele oder konkrete Vorgaben wie diese Linie aussieht warte ich bis heute…)

Das Ding liegt mir seit dem Verlagsgespräch im Magen. Heute war der Tag, mir ein Herz zu fassen – es hat keinen Sinn, mich zu einem Buchprojekt zwingen zu wollen, bei dem für mich von vornherein die Bedingungen und auch die Chemie nicht stimmen, bei dem ich das Gefühl habe das commitment ist ein einseitiges, bei dem ich in der Luft hänge und vom Lektor hängen gelassen werde. So kann ich nicht arbeiten, das stranguliert jegliche Motivation schon von vornherein.

Ich habe mich also vorhin mal wieder mit meiner Co-Autorin zu den Problemen ausgetauscht, und wir haben gemeinsam beschlossen das Thema dann vorerst lieber auf Eis zu legen und uns nach einem anderen Verleger umzusehen.

Es ist ein seltsames Gefühl, quasi kurz vor dem Vertragsabschluss die Reissleine zu ziehen, aber … auch ein gutes. Die Erleichterung die das Absenden der Mail, die das beendet, zeigt mir dass ich das Richtige getan habe.

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Selbst- und Fremdpromotion mit Social Services

April 11, 2008 under Schreiben, Web 2.0

Ich bin aus vielen Gründen sehr sparsam was meine Teilnahme an so genannten sozialen Netzwerken im Internet angeht – das beginnt mit vergleichsweise profanen Datenschutzfragen und endet nicht bei Probleme wie etwa dem Fehlverhalten von Yahoo! in Sachen China oder Flickr im Umgang mit unnötiger Zensur, oder einfach dem Problem, dass viele social networking Sites von dem leben, was Don Alphonso so schön griffig als AAL bezeichnet – user generated content und meritocracy heisst meist nichts anderes als Andere Arbeiten Lassen (und damit abkassieren wollen).

Bei Daniel Miessler bin ich aber kürzlich über einen seiner Texte gestolpert, die mich ernstlich überlegen lassen, mich bei Diensten wie digg oder oder reddit anzumelden. Er gibt in seinem Blogeintrag It’s Not Wrong to Create and Submit Your Own Content. In Fact, it’s Necessary zu bedenken

But even more important than asking readers to appreciate self-submitted content is the call for people to write and submit their own. Nothing limits the quality of what we read more than the idea that it’s socially unacceptable to self-submit.

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Erotik findet im Kopf statt

März 31, 2008 under Schreiben

Üblicherweise verbindet unsere visuell orientierte Kultur mit Erotik Bilder, in meiner Heimatstadt gibt es auch ein Erotic Art Museum, auch wenn die meisten der Exponate für mich weniger mit Erotik zu tun haben und mehr mit Zeitgeschichte und Moral (ein paar Beispielexponate gibt’s auf der Website). Aber das ist eben auch genau der Punkt, den ich meine. Nackte Haut oder Fetischszenen, ein erigierter Penis oder die Reizwäsche machen entgegen landläufiger Meinung noch lange keine Erotik.

Ich befasse mich gerade intensiv mit dem Schreiben von “adult fiction“, und muss sagen, das gehört zum Schwersten das ich mir je vorgenommen habe. Click here to read more.. »

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Schreibzwang

März 13, 2008 under Schreiben

Normalerweise habe ich nichts dagegen wenn mich ein Schreibzwang erwischt. Das sind dann Szenen, Texte, Fragmente die einfach raus wollen, sich vielleicht etwas zieren, aber frei nach Ray Bradbury geschrieben werden wollen damit man nicht durchdreht, sich die geistige Gesundheit erhält. In letzter Zeit habe ich sowas öfter, warum auch immer. Im Normalfall bedeutet es zwar ein erhebliches Stück Fixiertheit auf ein Thema aber damit einhergehend auch einen ganz annehmbaren Hyperfokus und eine Tiefe der Beschäftigung mit dem Thema, die schließlich zu befriedigenden Ergebnissen führt. Eine ein wenig besessene Arbeitsweise, die manchmal auch mein Einschlafsujet ist – über Szenen und Charaktere grübeln und dabei einschlafen und davon träumen.

Momentan allerdings verfolgen mich zwei Themen / Szenen – eines davon intensiver als das andere – die sich einfach nicht fassen lassen wollen. Sowas ist höchst irritierend weil ich mich auf kaum noch was anderes konzentrieren kann. Ich komme mir wie ein totaler Freak vor, der Versuch das jemandem heute zu erklären, hat den Effekt nur noch schlimmer gemacht. Psychopathologie von Schreibzwanggeschädigten…

Ich möchte doch nur jemanden der mich versteht und auch so Phasen hat. Ich brauche einen Gesprächs- und Inspirationspartner, denke ich. Jemanden für den ich nicht zum Vollfreak mutiere weil ich mich zwanghaft mit Charakteren und Szenen befasse. Jemanden der mir dabei helfen kann auch mein Potenzial zu entwickeln. Der olle Goethe und Schiller haben sich ja auch über Methoden und Techniken und Texte ausgetauscht. Nur woher nehmen? Gibt es so Bekloppte wie mich da draussen?

Und wie, verdammt nochmal, bringe ich jemanden um, der sterben will aber auch nicht sterben will und sich selbst töten will obwohl es für ihn gegen die Charakterstruktur ist und er sich dagegen sträubt?

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Den Feind zum Freund machen

März 1, 2008 under Leben, Schreiben

Heute nacht konnte ich mal wieder nicht schlafen. Insomnia, so ein bekannter Gast in meinem Hause, scheint viele Autoren zu quälen. Neben der einen oder anderen organischen Ursache waren diese Nacht allerdings zwei weitere Faktoren beteiligt.

Es begann mit den offenbar im Teenager-Alter befindlichen Töchtern unserer Nachbarin (die Ironie ist an mich nicht vergeudet, dass die Frau keine 4 Wochen nach ihrem Einzug bei uns vor der Tür stand um uns zu bitten doch ihre Nachtruhe zu wahren, weil wir gewagt hatten bei Zimmerlautstärke nach 23 Uhr Snooker zu schauen). Die Mädels hatten offenbar einen guten Freitag abend bzw. zu diesem Zeitpunkt bereits Samstag morgen und kicherten, gickelten und unterhielten sich sehr laut und mit einigen Kraftausdrücken garniert. Aber irgendwann war ich dann doch weggedöst, als Faktor zwei zuschlug: das Wetter. Click here to read more.. »

YATI oder wie man Fans am Ball hält

Februar 22, 2008 under Schreiben

Cory Doctorow verwies neulich bei BoingBoing auf ein interessantes Phänomen: “Fans love inconsistencies”. Die Autoren des Ausgangsartikels bei io9 behaupten gar, bewusste logische Fehler bzw. Inkonsistenzen (YATI = yet another Trek inconsistency) dienten der Kundenbindung bzw. beschäftigen “echte Fans” weil sie Stunden damit zubrächten diese logischen Ungereimtheiten dennoch serienkonform und schlüssig zu erklären, weswegen Marvel seine Fans sogar extra anhält, nach “continuity goofs” zu suchen und sie zu erklären.

In jedem halbwegs komplexen Universum – ja in jeder halbwegs komplexen Storyline über mehr als einen Roman hinaus – bleiben kleinere logische Fehler nicht aus. Am Beispiel des Perry Rhodan Universums kann man das sehr schön sehen, wo das Fandom über 30 Jahre hinweg den Überblick über eine kosmologisch und technotheoretisch komplexe Serie zu behalten versucht, an der Dutzende von Autoren mitgeschrieben haben, viele davon nur wenige Bände… und natürlich ist die Beschäftigung mit solchen Problemen auch eine Form dem Universum, das man da als Fan begleitet, seinen Tribut zu zollen, schließlich ist man fasziniert davon.

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Zwei Charaktere und ein Mord

Januar 24, 2008 under Schreiben

Klingt erst mal dramatisch ist es aber nicht. Aber es ist eine interessante Überlegung zu der Frage wie unterschiedlich Figuren auf eine Situation reagieren.

Situation: Die Hauptfigur (weiblich) erlebt mit, wie ihr Zwillingsbruder sinnlos gequält und getötet wird – um ihr damit weh zu tun.

Ich muss in Kürze so eine Szene glaubwürdig schreiben, und als ich darüber nachdachte, wie die Figur reagiert, hatte ich automatisch eine ganz bestimmte Reaktion im Kopf. Nur, dass diese zu einer ganz anderen Figur gehört, mit völlig anderen Charaktermerkmalen.

Figur A – um die es geht – ist offenherzig, temperamentvoll, reagiert impulsiv. Figur B ist grüblerisch, introvertiert, tendenziell depressiv und reagiert nicht unbedingt langsam, aber mit kaltem Kalkül, und setzt ihre moralischen Eckpunkte anders. Es ist offensichtlich, dass zwei dermaßen unterschiedlich gelagerte Charaktere auch unterschiedlich auf diese Erlebnisse reagieren.

Wie könnten die also aussehen?

Ich fange mit Figur B an, da es das war, was mir zuerst durch den Kopf schoss.

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Rauf und runter

Dezember 7, 2007 under Leben, Schreiben

Momentan befinde ich mich in einem ziemlichen Wechselbad der Gefühle…

Auf der einen Seite habe ich gerade von einem Verlag erfahren, dass eins der angedachten Projekte mit meiner Co-Autorin nun realisiert werden soll, und auch wenn der Vertrag alles andere als in trockenen Tüchern ist, ist das doch eine ziemlich gute und tolle Nachricht, besonders nachdem so viele Verlage dankend abgelehnt haben, und wir das Thema so gern machen möchten.

Auf der anderen Seite sind gerade wieder zwei neue Bücher zu einem Thema erschienen, an dem ich seit einem Jahr recherchiere (und in Summe seit mehreren Jahren sitze). Besonders die zweite Neuerscheinung ist ein historischer Roman genau der Art, die mir vorschwebt. Nicht nur dass ich den jetzt auch noch lesen muss, das Thema scheint langsam abgegrast. Aber ich bin nicht bereit meine Arbeit dafür einfach sausen zu lassen… frusten tut es mich dennoch. Weiterschreiben? Hoffen dass es dafür in ein paar Jahren einen neuen Slot gibt? Meinen eigenen Dreh zum Thema finden, besser sein… ach verdammt.

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