Die Rente ist eine Rente ist eine Rente

Februar 28, 2011 under Verschollen

Es begab sich Anfang 2010, recht früh wenn ich nicht falsch liege, dass meine Mutter in Sachen O. die zuständige Behörde kontaktierte, und pro forma Witwenrente beantragte für den Fall, dass er für tot erklärt würde. Merken möge man sich in diesem Zusammenhang, dass sie deutlich erklärte, dass sie auf das Vermögen meines Vaters aus vielen Gründen keinerlei Zugriff hat, weswegen das für sie eine nicht ganz unwichtige finanzielle Causa ist. — Der (Todes-) Fall ist nun amtlich abgesegnet eingetreten. Herzlichen Glückwunsch, könnte man sagen.

Könnte.

Da wäre allerdings das geringfügige Detail, dass sie, um diese Witwenrente zu beantragen, die ihr rückwirkend zum Todeszeitpunkt zusteht, Formulare dafür benötigt, welche sie nach dem Eingang des Gerichtsurteils, das meinen Vater für tot erklärt hat, angefordert hat.

Passiert ist: nichts. Nein, das stimmt so nicht. Eine Woche nachdem ich (Anfang Februar, Ausgangsstempel 3.2.) das Urteil vom 14.1. in der Post hatte und vom Amtsgericht meine Bestallung demzufolge zum Zeitpunkt des Urteils aufgehoben worden ist (mit anderen Worten: ich über nichts, aber auch gar nichts verfügen darf, das meinem Vater gehört hat, es sei denn um z.B. den künftigen Erben – also meiner Mutter und mir – Papiere oder Schlüssel zu übergeben), hat mich die entsprechende Behörde aufgefordert, mal eben doch die 43.000 Euro und ein paar zerquetschte zurück zu überweisen, die sie ja nun zuviel gezahlt haben durch das verfrühte Ableben meines Vaters.

Das wäre im Grunde nicht mal weiter erwähnenswert – zwar sollten auch diese Pappnasen wissen, dass ich das momentan weder kann noch darf, aber sei’s drum.

Pikant ist eher, dass meine Mutter, nachdem sie mehrfach bei der entsprechenden Behörde nachgefragt hat, zu hören bekam, ach ihre Rente? Nö darüber wüsste man nichts, und die Leute mit denen sie gesprochen habe, seien dafür ohnehin gar nicht zuständig, und, ja _wer_ zuständig sei, das wisse man auch nicht, aber das würde man dann schon sehen, irgendwann – nein man könne ihr keinen Ansprechpartner nennen. Aha?

Und jetzt kommt’s: Der Fuzzi beim Amt, der eben noch von nichts wusste und sich für absolut gar nichts fähig sah, auch nur näherungsweise einen Zuständigen oder eine entsprechende Dienststelle im Hause zu benennen, geschweige denn ihr endlich die angeforderten Unterlagen zukommen zu lassen, meinte dann anmerken zu müssen, sie hätte doch wohl ohnehin 44.000 Euro zuviel bekommen, und wann die denn zurück überwiesen würden?

Ich fasse das nochmal zusammen. Mein verstorbener Vater hat zu viel Pension erhalten, weil sein Tod erst festgestellt werden musste. Der Behörde ist sowohl der Umstand seines Verschollenseins als auch die Tatsache, dass seine Konten bis auf laufende Kosten, die nicht den Unterhalt für meine Mutter umfassen, für jeglichen Zugriff gesperrt sind, seit spätestens Januar 2010 bekannt. Abgesehen davon, dass die Rückzahlung der Pension ein rechtlich wie buchhalterisch vollkommen für die Witwenrente meiner Mutter irrelevanter Vorgang ist, verschleppt die Behörde diese Witwenrente augenscheinlich vorsätzlich, während sie keine Hemmungen hat, die Gelder die ihr zustehen umgehend einzufordern, selbst wenn das die Rechtslage gerade gar nicht erlaubt, und ein Mitarbeiter besitzt noch die Frechheit, anzudeuten meine Mutter sei ja (unrechtmäßig) gut versorgt.

Ich habe gerade ein _furchtbar_ höfliches Schreiben an die Damen und Herren abgeschickt, und meiner Mutter geraten, ihren Anwalt in der Sache mal eine kleine Notiz mit etwas mehr Nachdruck aufsetzen zu lassen. Ich weiss nicht ob es bei deutschen Behörden Fortbildungskurse mit dem Titel “Verschleppung von Vorgängen unter maximaler Demonstration von Desinteresse für die Sache mit der Zielsetzung Frustration des Antragstellers” gibt, aber manchmal habe ich den Eindruck..

comments: 1 » tags: ,

De mortuis nil nisi bene

September 5, 2010 under Verschollen

Über die Toten, befanden die alten Römer, solle man nichts ausser gutes reden. Irgendwie erscheint es passend, diesem Artikel ein Latein-Zitat voranzustellen, denn Latein gehört zu den wenigen Dingen die ich meinem Vater verdanke, wenn ich ihn auch in der 6. Klasse dafür gehasst habe. Alle meine Freundinnen und Freunde hatten Französisch, ich musste Latein nehmen. (Und bis heute würde ich gern mit der gleichen Leichtigkeit Französisch sprechen mit der ich Englisch quasi inhaliert habe): Dass es möglich wäre, haben mir spätere freiwillige Französischstunden gezeigt.

Latein allerdings war zunächst eine Qual, denn wenn es etwas gibt das mir unendlich schwer fällt dann auswendig lernen, ich lerne in Zusammenhängen. Was mir allerdings Latein an sprachlichen Zusammenhängen und Grammatikverständnis bringen würde, abgesehen von der besten Abitur-Klausur im LK Latein, konnte wohl niemand voraussehen.

Dennoch gehe ich mit den alten Römern nicht konform was die Toten (oder im konkreten Fall wohl eher Untoten) angeht. Dinge zu verschweigen und schön zu reden nutzt niemandem. Die Wahrheit, so schmerzhaft sie auch sein kann, sollte man aussprechen dürfen, selbst wenn sich dabei rausstellt dass jemand vielleicht nicht das war was man dachte.

In gewisser Weise bin ich froh dass mir keine Toten- und Gedenkfeier bevorsteht, bei der jemand versucht eine schöne Rede zu schreiben und meinen Vater zu würdigen. Stattdessen habe ich die Gelegenheit vor einigen Wochen genutzt um mit meiner Tante über O. zu sprechen, meine Tante G., seine ältere Schwester, und die Person die in den letzten jahren trotz einiger tausend Kilometer Entfernung den häufigsten und engsten Kontakt zu ihm hatte, besonders nachdem U. gestorben war.

Bezeichnenderweise hat er sie angerufen als er Hilfe brauchte. Was sie von seinen letzten Lebensjahren erzählte, war vor allem erschreckend im Hinblick auf die Lügen die er sich und anderen aufgetischt hat.
Click here to read more.. »

comments: 0 » tags:

Das Aufgebot steht

September 5, 2010 under Verschollen

Post vom Amtsgericht, nicht an mich aber an meine Mutter, die das Ganze mit ihrem Anwalt angestoßen hat. Das Aufgebotsverfahren in Sachen O. ist eröffnet, Stichtag: 23.11.2010.

Bis dahin soll “der Verschollene” sich ans Amtsgericht wenden; oder Zeugen die sachdienliche Hinweise zu seinem Aufenthalt haben, sich melden, andernfalls er “für tot erklärt werden kann”. Kann ist hier das entscheidende Wort…

Immerhin tut sich was; und ich weiss dass vor dem 23.11. nichts passieren wird. Hoffen wir, dass danach nicht 9 Jahre Wartezeit rauskommen sondern eine Todesfeststellung.

comments: 0 » tags:

Schnelle Kommunikation per e-Mail

Juni 7, 2010 under Leben, Verschollen

Heute bin ich in der mißlichen Lage jemanden bei eine Behörde schnell erreichen zu müssen, und etwas schnell zu klären. Was ich brauche, ist ein funktionierender Kundendienst bei einem Amt. Das ist per se ja schon in den meisten Fällen ein Witz – wenn ich auch für das Ortsamt Barmbek-Uhlenhorst, Einwohnermeldestelle, eine Lanze brechen muss, da der dortige Amtsleiter eine Vision eines bürgerorientierten Dienstes umgesetzt hat, bei dem man nicht wie der letzte Depp und Bittsteller behandelt wird.

Aber kurzfristig etwas von einem Amt in einem anderen Bundesland, mehr als 300 km entfernt, zu wollen, ist eine Sache für sich. Nun *könnte* ich da anrufen. Und würde zweifelsohne, nachdem ich mich durch teure Minuten Ferngespräch nebst Warteschleifenmusik, oder wie neulich bei einer anderen Behörde, stundenlanges wahlweise Besetztzeichen oder Freizeichen, oder aber Wegdrücken aller Anrufe – hindurchgemogelt habe, die Auskunft bekommen das müsse ich aber schriftlich… oder man sei gar nicht zuständig.

Doch das Land NRW hat sich ja an vielen Stellen e-Government und Transparenz und schnelle Infos im Web und all-of-that auf die Fahnen geschrieben, flugs also die Mailadresse rausgesucht (bezeichnenderweise hat niemand der Sachbearbeiter in der Sache um die es geht auf den Schreiben eine eigne oder Abteilungs- oder Sachgebietsmailadresse angegeben). Alles geht an genau 1 (in Worten: eine) Poststellen-Sammeladresse.

Mir wird so schwermütig ums Herz, aber wider besseres Wissen schicke ich meine (dringliche) Anfrage ab. Und erhalte einen Autorespondertext:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Dieser Übermittlungsweg dient ausschließlich dazu, nicht formbedürftige Mitteilungen zu übersenden. In Rechtssachen können daher auf diesem Wege insbesondere keine Schriftsätze, Mitteilungen oder sonstige Einsendungen zu Verfahren übersandt werden, die anhängig sind oder anhängig gemacht werden sollen, da die Identität des Absenders nicht mit Sicherheit feststeht. Aus diesem Grund erfolgt eine Bearbeitung solcher elektronischer Post nicht.

Bitte benutzen Sie deshalb in diesen Angelegenheiten in Ihrem eigenen Interesse die üblichen Übermittlungswege, insbesondere auch dann, wenn durch eine Mitteilung eine Frist gewahrt werden soll, da dies per E-Mail nicht möglich ist.

Alle übrigen Anliegen werden an die zuständige Stelle weitergeleitet und bearbeitet.
Die Weiterleitung erfolgt regelmäßig mittels Ausdruck. Der Postweg innerhalb der Behörde kann mehrere Tage dauern.

Mit freundlichen Grüßen

(Hervorhebungen durch mich).

Ich bin durchaus willens nachzuvollziehen, dass man bestimmte Dinge bei Ämtern tunlichst nur auf dem Postwege, unterschrieben etc. pp. einreichen darf. (Wenn auch die Begründungen bisweilen wehtun, etwa: dass man auf eine E-Mail keinen Eingangsstempel machen könne).

Den obigen Text kann man aber getrost so verstehen, dass man sich E-Mails eigentlich komplett schenken kann, da ohnehin keiner diese für voll nimmt, und es genauso lang dauert einen Brief zu schreiben, bis mein Anliegen da ankommt wo es hin soll. Könnte mir jemand bitte erklären, warum ich bei einer E-Mail den Absender nicht zweifelsfrei feststellen kann, das aber bei einem Fax von einem beliebigen Faxgerät oder Computer gesendet, oder bei einem beliebigen adressierten Briefumschlag und Schreiben anders sein soll?

Der Klops schlechthin allerdings ist für mich der abschliessend fett gesetzte Teil. Anstatt elektronische Post direkt an die zuständigen Personen per E-Mail weiterzuleiten, wird allen Ernstes eingegangene Mail ausgedruckt und auf einem möglicherweise Tage (sic!) dauernden hausinternen Postweg verteilt? Für was um Gottes willen haben die dann überhaupt eine E-Mail-Adresse?

Kann nicht mal jemand bundesdeutschen Behörden beibringen was qualifizierte E-Mail-Adressen und elektronische SIgnaturen sind? Und sie wenigstens am Ende des 20. Jahrhunderts ankommen lassen?

#FAIL

Offener Brief an TransOcean

Januar 28, 2010 under Verschollen

Liebes Team von Transocean,

ich muss Ihnen einfach mal öffentlich danken für Ihren so höchst persönlichen Kundenservice. Bei Transocean weiss man sich als Kunde immer gut aufgehoben. Ganz besonders Ihre persönliche Art, sich um meine Anliegen und die meiner Lieben zu kümmern, ist mir in den letzten Wochen ans Herz gewachsen.

Das begann schon im vergangenen November, als mir der OPS des Schiffes, auf welchem mein Vater bei einer Ihrer Kreuzfahrten bedauerlicherweise höchst persönlich abhanden gekommen ist, mangels anderer Kontaktoptionen auf eine Mailnachfrage zum Vorgang ganz persönlich nicht antwortete, dafür aber höchst persönlich diese Mail Tage später kommentarlos an die Wasserschutzpolizei Bremerhaven weiterleitete, die dann die Güte besass mich zu kontaktieren.

Auch Ihre Mitarbeiterin an der Info-Hotline, welche meine Mutter telefonisch und ich schriftlich um Unterstützung und Kontaktadressen in dieser eher ungewöhnlichen Situation gebeten hatten, war nach bestem Wissen und Gewissen höchst persönlich bemüht, uns auf gezielte Nachfragen nicht mit den schrecklichen Details einer persönlichen Tragödie belasten zu wollen. Konsequenterweise hat sie deswegen trotz der Zusage sich baldmöglichst zu melden, auf weiteren Kontakt mit uns verzichtet, was ich nur vorbildlich nennen kann.
Click here to read more.. »

comments: 3 »

68

Dezember 15, 2009 under Verschollen

Heute wäre der 68. Geburtstag meines Vaters gewesen. Kann man von “rest in peace” sprechen, wenn sich jemand selbst zu im Ozean treibendem Fischfutter verurteilt?

Die 68 sind auch nur insofern ein interessantes Detail, als mein Vater mit 40 das erste Mal wusste dass er sehr krank ist. Und sich zu seinem 40. Geburtstag eine Fernreise an Traumziele gönnte, an seinem 40. in Roturoa in Neuseeland war. Ich weiss das, weil ich später eine Postkarte bekommen habe, und noch viel später von der Krankheit erfuhr.

Mein Vater war 28 bei meiner Geburt. Ich bin heute 40. Gesundheitlich war das letzte das schlimmste Jahr meines Lebens, minus eine Mobbing-Episode 2003/2004. Ich hoffe mal das ist kein Omen, körperlich schlage ich nämlich ziemlich nach ihm.

Aber wie heisst das so schön: de mortuis nil nisi bene.

May you rest in peace, old man
. Ich hoffe Du hast den Frieden gefunden den Du gesucht hast. Und ich hoffe wir finden ihn auch, bald.

Nicht Warten aufs Christkind, sondern warten auf Post vom Vormundschaftsgericht.

comments: 0 »

O. lebt hier nicht mehr

November 18, 2009 under Verschollen

Sonntag war ich, wie angekündigt, in D, im Haus meines Vaters. Vorher musste ich noch auf das Polizeipräsidium, zur K-Wache (was sich als die interne Bezeichnung für die Kriminalwache herausstellte). Als ich mein Anliegen erläuterte, dass ich nämlich eine feste Verabredung hatte, eine die mir Herr Z. zugesagt hatte, kam vom Diensthabenden erst mal nur ein Achselzucken.

“Nö, Sonntags machen wir sowas nicht.”

Ich muss ihn ziemlich fassungslos angestarrt haben, und erläuterte ein weiteres Mal, dass mir Herr Z. fest zugesagt hatte sich drum zu kümmern und ich gerade von Hamburg via B. nach D. gefahren sei, aber die Motivation meines Gegenüber wurde keineswegs besser… ich holte tief Luft und war bereit, mich in den gefürchteten Ishtar-scheisshöflich-Modus hineinzusteigern, als jemand auftauchte, der mit der Sache offenbar vertraut war – und feststellte dass die zugehörige Akte, die doch ‘bis gestern noch da auf der Ecke gelegen habe’ nicht auffindbar sei.

Langsam drehte mein im allgemeinen astronomisch niedriger Blutdruck nach oben. Wenn das die systematische Vorgehensweise einer deutschen Kriminalpolizei ist, dann sollte man in D glaube ich kriminell werden… auch meine Mutter besah sich das Procedere einschliesslich hektischen Suchens mit milder Verwunderung. Dann geruhte der Diensthabende mich doch mal nach dem Ziel der Fahrt und dem Vorgang zu fragen – und dann kam: “Ach Sie sind das mit dem Über Bord Gegangenen.”

Ja, vielen Dank auch der zeitigen Nachfrage. Ich wette der Fall ist das Kaffeethema Nr. 1, so oft wie so etwas vorkommen dürfte…
Click here to read more.. »

comments: 0 »

Don’t pay the ferryman

November 13, 2009 under Verschollen

Chris de Burgh’s “Dont pay the ferryman”, das sich mit Charon, der die Toten über den Styx fährt, oder doch zumindest einem daran angelehnten Motiv befasst, war ein Beispiel, das ich als Teen gegenüber meinen Eltern anführte als sie mir vorwarfen, Popmusik sei hohl (guter Witz von Leuten die Herzschmerzsongs von Elvis und Co. hörten, im übrigen).

Ein bisschen komme ich mir vor wie jemand, der auf der Barge of the Dead (auch bei StarTrek ein gern genommenes Motiv) schippert, nicht hüben und nicht drüben, darauf wartend dass Charon mich abzockt. Dazu trägt wohl auch bei, dass es eben keinen Leichnam gibt, selbst wenn der Tod meines Vaters im Grunde sicher ist. Alles etwas seltsam.

Gleichermassen seltsam ist auch, seine Koffer durchzusehen… Click here to read more.. »

comments: 1 » tags: , ,

Erste Schritte

November 10, 2009 under Verschollen

Aktionen

  • Mail an den Reiseveranstalter mit Bitte um Überlassung relevanter Dokumente.
  • Telefonische Klärung, dass ich das (geleaste) Fahrzeug meines Vaters bei einer Spedition abhole, die es für die Dauer der Kreuzfahrt bereit gehalten hatte.
  • Mail an den OPS des Kreuzfahrt-Schiffes mit Bitte um Unterstützung und Überlassung aller informationen und Dokumente.
  • Meine Mutter verärgern, indem ich sie zwinge einen Teil der Sachen selbsttätig zu klären. Sie bemüht sich nach Kräften mir alles aufs Auge zu drücken und ist gerade stinksauer auf mich.
  • Wochenendtrip zu Muttern und ggf. dem Haus meines Vaters planen, um Papierkram zu sichten so weit vorhanden.

Reaktionen

  • Der Reiseveranstalter hat bestätigt dass meine Mutter angerufen hat, und will sich um nötige Dokumente kümmern und mich dann kontaktieren.
  • Die Polizei in Bremen (Abt. Wasserschutzpolizei) hat mich “wegen des bedauerlichen Vorfalls” kontaktiert. Es ist schon mal beruhigend dass hier jetzt auch eine offizielle Stelle involviert ist. Sie geben das Ganze auch an die entsprechende Dienststelle am Wohnort meines Vaters wg. Vermisstenanzeige weiter. Ausserdem scheinen seine Koffer bei denen zu stehen.
comments: 0 » tags: , , ,

Der schwimmt in der Karibik

November 10, 2009 under Verschollen

Seit Jahren steht im Raum dass mein Vater sterben könnte – er ist seit Jahren schwer krank, nimmt starke Medikamente, säuft, kann sich kaum noch helfen, und Ende letzten Jahres starb überraschend seine (kerngesunde) Lebensgefährtin. Im September kündigte er telefonisch seinen Selbstmordwunsch an – und nun hat er es anscheinend geschafft. Blöderweise auf die für die Hinterbliebenen ungeschickteste Weise die man sich denken kann.

Kaum aus dem Thailand-Urlaub zurückgekehrt, erreichte mich der Anruf meiner Mutter. Nach Geplänkel über meinen Urlaub meinte sie plötzlich, mein Vater habe es geschafft – er schwimme in der Karibik. “Urlaub?” fragte ich, und sie bejahte, irgendwie. Und auch nicht.

Mit seiner Haushaltshilfe und wohl auch Saufkumpanin hat sich mein Vater auf eine 34-tägige Kreuzfahrt in die Karibik begeben, Kreuzfahrt ex Deutschland, vermutlich weil Fliegen nicht mehr drin war körperlich. Und am 17.10.2009, nach Mitternacht, ist er verschwunden, auf offener See, irgendwo zwischen St. Maarten und den Nachbarinseln.

Angeblich hat er auch auf dem Schiff massiv Alkohol- und Medikamentenmißbrauch betrieben, eine Art epileptischen Anfall erlitten, sich (dokumentiert) mit dem Schiffsarzt gestritten und furchtbar daneben benommen – und nun ist er weg. Einfach so.

Eine Suchaktion gab es wohl auch, und ein Protokoll, aber momentan ist das alles nur Hörensagen, ich habe keine Belege, keine vernünftigen Informationen. Meine Mutter sitzt wie eine Henne auf allen Infos die sie hat, erwartet aber dass ich mich um alles kümmere. Und ich denke wtf.

Was mir/uns bevorsteht, ist aller Voraussicht nach, erst mal überhaupt an den Punkt zu kommen an dem eine deutsche Behörde akzeptiert dass mein Vater nach aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr am Leben ist und wahlweise im Suff freiwillig oder versehentlich aus dem Leben geschieden. Und dann Warten auf die Für-tot-Erklärung.

Da ich vermute dass mich noch einiges an juristischem und bürokratischem Trara erwartet, habe ich hier die Rubrik ‘Verschollen’ angelegt in der ich von meinen Erlebnissen berichten werde.

comments: 0 »