Schnelle Kommunikation per e-Mail

Juni 7, 2010 under Leben, Verschollen

Heute bin ich in der mißlichen Lage jemanden bei eine Behörde schnell erreichen zu müssen, und etwas schnell zu klären. Was ich brauche, ist ein funktionierender Kundendienst bei einem Amt. Das ist per se ja schon in den meisten Fällen ein Witz – wenn ich auch für das Ortsamt Barmbek-Uhlenhorst, Einwohnermeldestelle, eine Lanze brechen muss, da der dortige Amtsleiter eine Vision eines bürgerorientierten Dienstes umgesetzt hat, bei dem man nicht wie der letzte Depp und Bittsteller behandelt wird.

Aber kurzfristig etwas von einem Amt in einem anderen Bundesland, mehr als 300 km entfernt, zu wollen, ist eine Sache für sich. Nun *könnte* ich da anrufen. Und würde zweifelsohne, nachdem ich mich durch teure Minuten Ferngespräch nebst Warteschleifenmusik, oder wie neulich bei einer anderen Behörde, stundenlanges wahlweise Besetztzeichen oder Freizeichen, oder aber Wegdrücken aller Anrufe – hindurchgemogelt habe, die Auskunft bekommen das müsse ich aber schriftlich… oder man sei gar nicht zuständig.

Doch das Land NRW hat sich ja an vielen Stellen e-Government und Transparenz und schnelle Infos im Web und all-of-that auf die Fahnen geschrieben, flugs also die Mailadresse rausgesucht (bezeichnenderweise hat niemand der Sachbearbeiter in der Sache um die es geht auf den Schreiben eine eigne oder Abteilungs- oder Sachgebietsmailadresse angegeben). Alles geht an genau 1 (in Worten: eine) Poststellen-Sammeladresse.

Mir wird so schwermütig ums Herz, aber wider besseres Wissen schicke ich meine (dringliche) Anfrage ab. Und erhalte einen Autorespondertext:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Dieser Übermittlungsweg dient ausschließlich dazu, nicht formbedürftige Mitteilungen zu übersenden. In Rechtssachen können daher auf diesem Wege insbesondere keine Schriftsätze, Mitteilungen oder sonstige Einsendungen zu Verfahren übersandt werden, die anhängig sind oder anhängig gemacht werden sollen, da die Identität des Absenders nicht mit Sicherheit feststeht. Aus diesem Grund erfolgt eine Bearbeitung solcher elektronischer Post nicht.

Bitte benutzen Sie deshalb in diesen Angelegenheiten in Ihrem eigenen Interesse die üblichen Übermittlungswege, insbesondere auch dann, wenn durch eine Mitteilung eine Frist gewahrt werden soll, da dies per E-Mail nicht möglich ist.

Alle übrigen Anliegen werden an die zuständige Stelle weitergeleitet und bearbeitet.
Die Weiterleitung erfolgt regelmäßig mittels Ausdruck. Der Postweg innerhalb der Behörde kann mehrere Tage dauern.

Mit freundlichen Grüßen

(Hervorhebungen durch mich).

Ich bin durchaus willens nachzuvollziehen, dass man bestimmte Dinge bei Ämtern tunlichst nur auf dem Postwege, unterschrieben etc. pp. einreichen darf. (Wenn auch die Begründungen bisweilen wehtun, etwa: dass man auf eine E-Mail keinen Eingangsstempel machen könne).

Den obigen Text kann man aber getrost so verstehen, dass man sich E-Mails eigentlich komplett schenken kann, da ohnehin keiner diese für voll nimmt, und es genauso lang dauert einen Brief zu schreiben, bis mein Anliegen da ankommt wo es hin soll. Könnte mir jemand bitte erklären, warum ich bei einer E-Mail den Absender nicht zweifelsfrei feststellen kann, das aber bei einem Fax von einem beliebigen Faxgerät oder Computer gesendet, oder bei einem beliebigen adressierten Briefumschlag und Schreiben anders sein soll?

Der Klops schlechthin allerdings ist für mich der abschliessend fett gesetzte Teil. Anstatt elektronische Post direkt an die zuständigen Personen per E-Mail weiterzuleiten, wird allen Ernstes eingegangene Mail ausgedruckt und auf einem möglicherweise Tage (sic!) dauernden hausinternen Postweg verteilt? Für was um Gottes willen haben die dann überhaupt eine E-Mail-Adresse?

Kann nicht mal jemand bundesdeutschen Behörden beibringen was qualifizierte E-Mail-Adressen und elektronische SIgnaturen sind? Und sie wenigstens am Ende des 20. Jahrhunderts ankommen lassen?

#FAIL

One Response to "Schnelle Kommunikation per e-Mail"

  • Mela sagt:

    Vermutlich wird der Drucker auch noch mit Dampf betrieben. Oder eher noch.. sie nutzen einen Matrizendrucker. Wenn es im ganzen Treppenhaus penetrant nach Spiritus riech, weiss die ganze Behörde: Heute werden wieder Emails ausgedruckt!

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