Schreibtools und mehr

Februar 12, 2008 under Hard- und Software

In den vergangenen Tagen habe ich häufig laut über Apple geflucht, und im Speziellen über Mac OS X 10.5.x Leopard. Mittlerweile habe ich mich wieder – nach größerem Dateninfrastrukturumsortieren – beruhigt. Und nachdem die NFS-Unterstützung, die in 10.4.x (endlich) gegen Ende dann doch vernünftig lief, beim Fleckentier wieder Schrott ist, haben wir das Zeug von unserem Ubuntu-Server auf die beiden externen Platten gezogen (was, da diese mit ext3 und einem Teil des Datenbestandes versehen waren, einige Umwege erforderte).

Einen Vorteil hat es allerdings. Nicht nur dass Spotlight, seit Tiger das hauseigene Vollindizierungstool von Apple, mit Leopard deutlich fixer geworden ist, nein, da nun unser Datenzeugs auf zwei per AFP freigegebenen USB-Drives haust, wird es dort auch mitindiziert. Ganz ehrlich, so oft ich über MacOS fluche und darüber nachdenke zu Linux zurückzukehren, Spotlight ist eine der Anwendungen für die ich Apple knutschen könnte. Ich habe einen Text aus einem Jahre zurückliegenden Projekt gesucht, der sich ungefähr überall auf einer Platte von 4 (zwei Notebooks, zwei USB-Platten) befinden könnte. Das richtige Stichwort eingegeben von dem ich wusste dass es im Text steht, zwei Sekunden später war das gesuchte File gefunden und offen. Ich liebe es.

Es gibt durchaus noch andere Software auf dem Mac, für die ich bei Linux nichts adäquates gefunden habe und die ich nicht missen möchte. Was mich zu den Schreibtools bringt.

Schreibtools, so ein Schnickschnack, ist meine übliche Reaktion. Wer braucht schon komplexe Programme mit akuter Featuritis, wenn es auch ein simpler Texteditor tut? 90 Prozent meiner Texte entstehen im Texteditor, das ist alles was ich brauche. Dachte ich. (Und für einen Großteil der Brot-und-Butter-Texte reicht der Editor völlig, nach wie vor).

Ein Freund machte mich vor geraumer Zeit mit Scrivener bekannt. Und wie Die Kritiker schaute ich mir das Teil an und fand die altbackene Kork-Pinnwand-Optik etwas zu gezwungen, und ich konnte mit dem Tool nicht wirklich warm werden. Also schrieb ich weiter im Editor. Die Idee, ein Schreibprojekt an einem Ort zusammenzuführen, hat mir allerdings gefallen und blieb im Hinterkopf, auch der Gedanke sich Begleitnotizen zu einem Projekt zu sammeln.

Eine Weile habe ich Notizen und Ideen in Journler geworfen, wohl wissend dass dort alles wiederzufinden ist, und ich mache das immer noch so, allerdings ist Journler für mich nie mehr als eine Krücke und Notizkladde gewesen, die ganze GTD-Funktionalität (die ich durchaus interessant finde) ist für mich nicht wirklich intuitiv bedienbar (genauer, GTD ist mir zu verkopft, aber dazu mal in einem anderen Post) und insofern setzt Journler eher Staub auf der Festplatte an. Da das Tool demnächst kostenpflichtig sein wird, und ich wenig Sinn darin sehe eine Software zu kaufen die ich nicht wirklich nutze, habe ich mir also vorgenommen, mir diverse Schreibtools – davon gibts ein paar für MacOS – anzusehen.

Warum eigentlich will ich ein Schreibtool?

Zum einen ist es wohl meine angeborene Geekneugier, neue Software zu entdecken, das habe ich zu allen Zeiten, ob DOS, Windows oder Linux, gern getan. Im wesentlichen sind allerdings die Erkenntnisse aus dem Nanowrimo dran schuld. Um ein komplexes Dokument wie einen Roman organisatorisch in den Griff zu bekommen, bedarf es bei mir etwas Unterstützung.

Ulysses gefiel mir auf Anhieb, was sicher an der aufgeräumten Oberfläche und den klar durchdachten, sofort benutzbaren Interfaces liegt. Ulysses ist ein fast reiner Texteditor mit etwas Organizer-Fähigkeiten, und ganz klar an Autoren mit komplexen umfangreichen Texten orientiert. Beim (automatischen) Backup kann man auch die Backuptiefe einstellen, ein nettes Feature.

Und dann machte ich, um im Chat jemandem zu erklären was ich mit “Schreibtools” meine, die Scrivener-Page auf und sah mir die Screenshots an und dachte: das ist doch genau das was Du suchst. Die Outliner-Funktion springt mich geradezu an, die Möglichkeit Bilder, Schnipsel zu irgendwas zu sammeln, ist super, ein Kärtchen mit Synopsis zum zu schreibenden Text ist perfekt… Irgendwo in meinen Bookmarks liegen noch Links zum Forum bei Literature and Latte wo Features und die Anwendung hands-on von Autoren diskutiert werden, diverse Leute schwärmen von dem Ding, es sieht verdammt gut aus – wahrscheinlich muss ich ihm einfach eine zweite Chance geben und mich richtig einarbeiten.

Weitere Kandidaten wie Writers Café (auch für Win und Linux) oder CopyWrite bleiben vorerst ungetestet, Writer’s Cafe sieht sehr gut aus, Copywrite kann auf den ersten Blick nichts was ich nicht auch viel lieber mit Ulysses machen würde…

Ich gehe dann mal Scrivener installieren. Bericht in 30 Tagen oder so :-)

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