Was ist Arbeit?

August 27, 2008 under Leben, Schreiben

In der Welt von Anzügen oder Blaumännern und 9-to-5-Jobs (oder tariflichen Arbeitszeiten) ist Arbeit das wo man hingeht und wofür man bezahlt wird.

Heute wurde mir mal wieder schmerzlich bewusst, dass das als Selbstständige, noch dazu als Autorin, einfach ein fatales Konzept ist. Eins, das ich erst mal aus den Hirnwindungen bekommen muss.

Die Wahrnehmung anderer von Autoren ist oft, ihr habt doch jede Menge (Frei-) Zeit und tut eigentlich nicht wirklich was. Diese Wahrnehmung übernimmt man ganz schnell. Hey, schliesslich kann sich jeder hinsetzen und ein Buch schreiben. Wenn er nur genug Zeit hätte…

Dass dem keineswegs so ist aus einer Vielzahl von Gründen, möge mal Thema für ein anderes Post sein. Heute geht es mir um Arbeit. Was ist Arbeit?

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Den Feind zum Freund machen

März 1, 2008 under Leben, Schreiben

Heute nacht konnte ich mal wieder nicht schlafen. Insomnia, so ein bekannter Gast in meinem Hause, scheint viele Autoren zu quälen. Neben der einen oder anderen organischen Ursache waren diese Nacht allerdings zwei weitere Faktoren beteiligt.

Es begann mit den offenbar im Teenager-Alter befindlichen Töchtern unserer Nachbarin (die Ironie ist an mich nicht vergeudet, dass die Frau keine 4 Wochen nach ihrem Einzug bei uns vor der Tür stand um uns zu bitten doch ihre Nachtruhe zu wahren, weil wir gewagt hatten bei Zimmerlautstärke nach 23 Uhr Snooker zu schauen). Die Mädels hatten offenbar einen guten Freitag abend bzw. zu diesem Zeitpunkt bereits Samstag morgen und kicherten, gickelten und unterhielten sich sehr laut und mit einigen Kraftausdrücken garniert. Aber irgendwann war ich dann doch weggedöst, als Faktor zwei zuschlug: das Wetter. Click here to read more.. »

NaNoWriMo-Lektionen

November 26, 2007 under Schreiben

Dinge die ich bei meiner allerersten NaNoWriMo-Teilnahme gelernt habe (und das nächste Mal bzw. bei künftigen Projekten berücksichtigen werde)

  • 30 Tage sind keine 30 Tage.
    Mit sehr viel Glück komme ich auf 25 Tage, an denen ich in der Lage bin zu denken und mich ohne massive Drogenzufuhr klar zu artikulieren bzw. zum Schreiben aufzuraffen. Wenn ich Pech habe, fallen zwei PMS/Menstruationsperioden in diese Phase. Will ich mir also ein realistisches Schreibziel setzen, sollte ich die 50K auf, sagen wir, 20 Tage aufteilen. 2.500 Wörter am Tag.
  • Ich brauche eine klare Plot-Outline.
    Ich kann gut drauflos schreiben, wenn ich weiss wo ich hinwill und wo ich herkomme. Beim aktuellen Projekt leide ich daran, dass ich zwar einen Start- und Endpunkt der Story habe, aber das Dazwischen ein graues Wabern ist. Wenn ich Fan-Fiction schreibe oder einen zeitgenössischen Roman, ist der Kontext relativ stark vorgegeben, im vorliegenden Fall eines Post-Klimakatastrophe-SciFi muss ich mir vieles genau überlegen und schlüssig aufbauen (und dem Leser nicht allzu nervig beibiegen).
    Diese Denkarbeit sollte ich im Wiederholungsfall stark vor den tatsächlichen Schreibprozess legen. Ein grober Rahmen, evtl. in Art alter Kapitelüberschriften (In welchem wir Claires wahre Natur kennenlernen, die Helden in ein Labor einbrechen, Hagen feststellt dass sein ehemaliger Kollege am gleichen Projekt gearbeitet hat wie er, und ein Ausflug in eine virtuelle Welt vonnöten wird) ist unerläßlich, auch um den Überblick über den Plot nicht zu verlieren.
  • Charakterentwicklung und Erzählperspektive
    Ich habe die Entwicklung meines Hauptchars ganz gut hinbekommen, aber es zeichnet sich ab, dass viele Nebenfiguren angesichts der Storyline Staffage bleiben, abziehbildhaft umrissen, was auch an der Erzählperspektive liegt (der Protagonist entdeckt gemeinsam mit dem Leser, frei nach James N. Frey, was zum Teufel wirklich los ist). Die Perspektive macht zwar die Handlung straffer, erschwert aber gleichzeitig auktoriale Einschübe über die anderen Charaktere, die deren Handlungen besser beleuchten. Im Grunde läuft mein aktuelles Projekt auf ein First-Person-Adventure raus, auch wenn die Geschichte in der 3. Person erzählt wird. Wenn ich mir einen solchen Erzählstil aussuche, ist es evtl. sinnvoller, auf die Erste-Person-Perspektive zu wechseln und mir dann Stilmittel von Autoren abzuschauen, deren Ich-Erzähler-Romane mir gut gefallen.
    Eine grössere Zahl von Charakteren die immer wieder auftauchen muss so eingebunden werden, dass sie genug Tiefe und Entwicklungsspielraum haben, und für die Charaktere sollte ich mehr Vorarbeit leisten. Einfach drauflosschreiben funktioniert in diesem Erzählrahmen für mich nicht. Das betrifft vor allem physiologische Merkmale, aber auch Macken, Marotten, Traumata, Motivationen, und auch beschreibende Alternativen – es wird langweilig immer nur mit dem oder den Namen einer Figur zu agieren.
  • Fluchtpunkte und Zeitfenster
    Normalerweise schreibe ich am Besten da wo es ruhig ist und ich allein bin oder mich so fühle. Mein favorisierter Arbeitsplatz ist mein Schreibtisch, aber es kann auch eine Bibliothek sein (so es leise ist) oder ein Café. Ich schreibe ausserdem gern sehr früh morgens und am Nachmittag.
    Der morgendliche Schreibfaktor hat diesen November darunter gelitten, dass unser Schlafzimmer momentan unbenutzbar ist (neues Bett kommt in 1 Woche, in der Wohnung herrscht zusätzlich ablenkendes Chaos) und ich von daher nicht einfach meinen Mann schlafen lassen kann und aufstehen. Mit den Wechselschichten des Liebsten habe ich auch so meine Probleme, da ich automatisch warte bis er zur Arbeit gegangen ist, egal wann… In der Zukunft heisst das, mir feste Zeitfenster für das Schreiben zu resrervieren (etwa, immer früh aufzustehen und zu schreiben, egal ob er Früh- oder Spätschicht hat), aber auch, mir Fluchtpunkte zu eröffnen, von vorn herein drei Stunden im Café oder zwei Stunden in der Bibliothek einzuplanen, in denen ich schreiben (oder recherchieren) kann, ohne das Gefühl zu haben, ich müsste zu Hause Dinge erledigen, ohne mich zu verzetteln. Ich muss mir solche Zeiten als Arbeitszeiten in den Kalender eintragen und mich dann auch daran halten.
  • ADD-friendly ways to organize your work
    Ich bin mir ziemlich gut der Tatsache bewusst, dass meine Motivations- und Arbeitsrhythmen stark schwanken und ich – so nicht der Hyperfokus zuschlägt – entsprechende Diversität in meinen Tätigkeiten haben werde. Es ist also illusionär anzunehmen dass ich konsistent 20 Tage lang jeden Tag 3000 Wörter schreiben kann oder werde, auf der anderen Seite weiss ich, wenn ich mich in ein Thema vertieft habe, können es auch mal 15.000 an einem Tag sein… Angesichts meiner ebenso stark schwankenden Insomnia können auch Zeitfenster sich schnell erledigen, da heisst es dann die Zeit effektiv zu nutzen, heute zum Beispiel war die Nacht um 3:40 Uhr zu Ende, von 4 Uhr bis etwa 5:45 habe ich geschrieben, mich dann nochmal müde ins Bett gelegt und tatsächlich noch ein wenig schlafen können. Das sind aber eben grundsätzliche Dinge die mit meiner neurologischen Verdrahtung zu tun haben, weniger spezifisch mit dem Schreiben.

Summa Summarum

Ich habe ernsthafte Zweifel, dass ich die 50k dieses Jahr schaffe. PMS ist einer der Gründe dafür, und auch die obigen Punkte tragen dazu bei. Das ist zwar schade, aber ich betrachte es nicht als Verlust, egal wieviele Wörter der Word Count in 4 Tagen zeigen wird. Faszinierenderweise treffen nicht nur alle Vorurteile über Writer’s Block auf mich zu, ich stelle tatsächlich fest dass der NaNoWriMo – neben dem offensichtlichen Ziel einen Roman zu schreiben – auch noch andere Vorzüge hat. Ich habe Ideen für andere Projekte gesammelt, jede Menge Texte für Blogs geschrieben die ich seit Wochen vor mir her schiebe, und auf diese Weise die kreativen Energien durchaus für mich und meine Schreibarbeit genutzt. Das ist nicht bloß Vermeidungsverhalten, es ist auch ein großer Funken Schreiblust dabei, den dieser NaNoWrimo neu entzündet hat. Darum bin ich auch nicht zu traurig dass ich heute erst bei knapp 26.000 Wörtern bin. Ich habe tatsächlich ein grosses Stück an einer bisher nur vagen Plotidee gearbeitet und vor allem viel dazu gelernt das mir bei den künftigen Projekten helfen wird, insofern ist es auf jeden Fall ein Gewinn. Und der Roman wird weiter und zu Ende geschrieben werden.