Wissensmanagement (nicht nur) für Autoren

April 23, 2008 under Hard- und Software

Neulich stieß ich auf einen Artikel in der NYT aus dem Jahr 2005, in welchem der Autor feststellt:

One often hears from younger writers that they can’t imagine how anyone managed to compose an article, much less an entire book, with a typewriter. Kerouac banging away at his Underwood portable? Hemingway perched over his Remington? They might as well be monastic scribes or cave painters.

But if the modern word processor has become a near-universal tool for today’s writers, its impact has been less revolutionary than you might think. Word processors let us create sentences without the unwieldy cross-outs and erasures of paper, and despite the occasional catastrophic failure, our hard drives are better suited for storing and retrieving documents than file cabinets.

Und schaut man sich die absurd hohe Zahl an Tools für Autoren an, fragt man sich wirklich wie Leute wie Hemingway Weltliteratur schaffen konnten ohne Online-Thesaurus, Recherchemöglichkeiten… die einfachste Antwort wäre wohl: weil sie aus ihrem eigenen Erfahrungsfundus schöpften, ihr Handwerkszeug (die Sprache) beherrschten – und immer und immer wieder überarbeiteten. Das allerdings geht im Zeitalter der Textverarbeitung wirklich schneller und komfortabler.

Und doch bin ich wenn es ums Schreiben geht sehr old school, ein simpler Texteditor, analog zur Schreibmaschine, ist tatächlich alles was es für den Prozess des Schreibens an sich braucht.

Als notorischer Datensammler und Mensch mit einem Interesse für 150 oder mehr verschiedene Themen, so obskur sie auch sein mögen, fände ich es dennoch schön mein Wissen irgendwie besser katalogisieren zu könen – nicht im Sinne des guten alten Hängreregisters, sondern schon etwas netter, mit bells and whistles. Was ich auslagern und auf Zugriff bereit halten kann, muss ich nicht im Kopf haben. Und wenn ich an $HistorischerRoman schreibe, wäre es toll auf quasi Knopfdruck alle wichtigen (und möglicherweise unwichtigen aber hilfreichen) angesammelten Infos und Daten dazu griffbereit zu haben – egal wo sie auf meinem System auch versteckt sein mögen.
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KNOL

Dezember 15, 2007 under Web 2.0

Ich glaube es ist an der Zeit dass ich Google and the Myth of Universal Knowledge. A View from Europe lese (deutsch eher untreffend als Googles Herausforderung. Für eine europäische Bibliothek veröffentlicht).

Heute bei der BBC zu lesen:

Google has kicked off a project to create an authoritative store of information about any and every topic.

Kein Scherz. Während heute noch Google hauptsächlich auf die Wikipedia linkt, wenn es um lexikalisches Wissen geht (was so manchen bereits von Weltverschwörungstheorien und der Forderung nach einer Zerschlagung von Google phantasieren lässt), will sich Google nun endgültig den Titel als Verwalter allen Wissens ™ sichern.

Weiter die BBC:

By indexing the web, Google strives to make information more easily accessible. However, wrote Mr Manber, not all the information on the web was “well organised to make it easily discoverable”.

By getting respected authors to write about their specialism Google hopes to start putting some of that information in better order.

The system will centre around authored articles created with a tool Google has dubbed “knol” – the word denotes a unit of knowledge – that will make webpages with a distinctive livery to identify them as authoritative.

Google sagt mir in Zukunft also nicht nur, was ich zu einem Schlagwort finde, sondern bewertet das auch gleich praktischerweise für mich, ob es “authoritative” sei. Vielen Dank, Google, aber die Bewertung von Quellen möchte ich bitte immer noch selbst vornehmen, und mir nicht von einer Expertokratie von Googles Gnaden erklären lassen, was wichtig ist und Gültigkeit hat und was nicht. Ich habe ein Gehirn und gedenke es zu benutzen.

Es gibt Alternativen zu Google, wenn auch nicht so komfortabel. Ask.com bietet seinen Nutzern seit kurzem sogar einen Dienst an, der ihre Surf-Spuren löscht:

At Ask.com, we believe that you as a user should have the power to control the usage of your search history. When enabled, AskEraser will completely delete your search queries and data from Ask.com servers, including: your IP address, User ID and Session ID cookies, as well as the complete text of your search query–all within a matter of hours.

Im deutschsprachigen Web bringt seekport.de auch mal andere Suchergebnisse als The Big G. Und wenn gar nichts anderes geht, gibt es immer noch den Scroogle Scraper, der Google abfragt, aber alle Cookies und Suchanfragen binnen 24 h löscht.

Das grundlegende Problem eines Webmonopols für Wissen wird davon allerdings nicht berührt…