Von einer die auszog sich dann doch keinen Koboreader zu kaufen

Mai 29, 2010 under Hard- und Software

Es begab sich aber zu der Zeit, dass Frau Ishtar in Kanada weilte, dass man in den Läden der grossen kanadischen Buchhandelskette Chapters bzw. Indigo deren Ebook-Reader auf den Markt warf. 149 Dollar sollte das Teil kosten, kanadische, plus Tax, und wurde vielerorten als Kindle-Killer gehandelt. 149 Dollar, das klang verlockend, und ich kündigte dem BestenAllerMänner an dass ich gedachte, unseren geektypischen Gadgetwald um einen Kobo-Reader zu erweitern. Inklusive Steuern wäre in Euro ein Endpreis von ca. 130 rausgekommen – nicht eben schlecht.

Dann hatte ich das Ding in Händen. Ich mag an Koboreader die Auswahl der Fonts (serif oder non-serif), und die Option, Dinge in vielen Schriftgrössen anzuzeigen, aber das Handling war bestenfalls als mühselig zu bezeichnen, das ‘Blättern’ gestaltete sich lahm, und wie bei allen Readern dieser Klasse störte mich der breite Plastikrand am Display, wie überhaupt die Haptik irritierte. Nicht dass das Gerät billig verarbeitet wäre, aber ich lebe nun geraume Zeit mit einem Touchscreen-bewehrten Android-Smartphone, und das Gefrickel mit winzigen schwergängigen Buttons an der Seite, das Hangeln durch nicht intuitive Menus mit einem “Jogdial” Plastikknopf auf der Oberfläche… das war alles nicht so wirklich mein Ding. Dennoch, für den Preis könnte man drüber wegsehen, auch über die ewig unsägliche Shop- und Softwarebindung – denn den KoboReader kann man auch bequem einfach per SD-Karte bestücken.

Aber beim Betrachten des Geräts ging mir etwas auf, worüber ich vorher nie wirklich nachgedacht hatte.

Ich brauche Licht beim Lesen.

Allen e-Ink-Readern ist gemeinsam, dass sie tolle (mehr oder weniger, je nach Hersteller) kontrastreiche Displays haben, die man auch bei gleissendem Sonnenschein ablesen kann; und es ist ohne Zweifel große Klasse am Strand entspannt auch in der Sonne die Gesamtausgabe von Dickens dabeizuhaben und lesen zu können – nur ist das keine für mich typische Nutzungsumgebung. Und selbst wenn ich die rund 15 Tage, die ich im Jahr vielleicht an Stränden oder ähnlich hell erleuchteten Plätzen lesend verbringe, als gegeben nehme, hätte ich immer noch abends ein halbdunkles Hotel- oder Bungalowzimmer, und nachts vielleicht einen schlafen wollenden Mann neben mir, während ich, wieder Mal, Licht zum Lesen brauche. (Ich schreibe das aus der Perspektive von jemandem der nächtelang in Thailand in einem hell erleuchteten Badezimmer gesessen und gelesen hat um den Liebsten nicht zu wecken…)

Wenn ich (viel) lese und das nicht am Arbeitsrechner tue, dann lese ich an schlecht beleuchteten Orten, ob das mein eignes Sofa am Abend oder das Bett ist, die U-Bahn, oder ein Zugabteil, eine Parkbank in der Morgen- oder Abenddämmerung, nicht selten zu Zeiten wo andere Leute schlafen und/oder Dunkelheit herrscht. Ich kann recht gut sehen, aber Lesen ohne ausreichende Beleuchtung strengt immens an. Daher ist für mich ein E-Ink-Reader (von Aufstecklämpchen fange ich gar nicht erst an) effektiv witzlos. Ich brauche einen Reader mit Back Lighting.

Blöderweise gibt es sowas nicht, oder kaum. Aktuell scheint vor allem ein Sony Reader ein gutes Backlighting zu haben, der dafür aber ein spiegelndes Display besitzt. Zu den Frühzeiten des Palm hat der Liebste schon im Zug auf ebenjenem mit Backlighting gelesen… Ich brauche keine ausufernden Kommentarfunktionen und keine eierlegenden Wollmilchsäue. Ich will HTML, mobi, epub (mit und ohne DRM) und PDF lesen können….

Nachdem die Welt draussen gerade im iPad Fieber ist: ja so ein iPad ist schick. Und das Farbdisplay ist mit Sicherheit schön anzusehen und die Bedienbarkeit deutlich höher als die vieler eReader. Das iPad (oder auch das theoretisch existierende WePad) allerdings sind volle Rechnerersätze, und zu groß und zu schwer für diesen Zweck. Mein Arbeitsrechner reist mit mir mit; ich brauche nicht *noch* ein großes schweres Gerät im Handgepäck, und um im Bett oder auf dem Sofa zu lesen wäre etwas von Taschenbuchgröße angenehm. Was ich bräuchte wäre, sarkastisch gesagt, ein “iBook” – irgendwo auf halbem Wege zwischen iPhone und iPad.

Aber kommt so ein Produkt von Apple, klebe ich wieder an der iTunes Bindung, ich darf mir wieder von Onkel Steve vorschreiben lassen was ich lesen und sehen darf – ich hasse auf dem MacBook schon iTunes und benutze es aus Prinzip nicht. Ich will keine proprietäre Shopanbindung. Ich will nicht Bücher bei Kobo kaufen müssen und feststellen dass ‘dieses Produkt für mein Land nicht verfügbar ist’ (Globalisierung gilt nicht für Endkunden), ich will nicht dass Amazon auf meinem Kindle rumrödelt, ich will meine Bücher nicht mit iTunes bzw. der entsprechenden “App” laden müssen.

Ich will eBooks kaufen können wo ich will – egal bei welchem Webanbieter. Ich will meine eBooks genauso mit Windows, Linux oder OSX, gern per USB, auf ein Endgerät bringen können, wie per Speicherkarte. Mein hypothetischer eBook-Reader braucht kein WLAN (wenn’s auch schön wär, um damit evtl. auch RSS zu lesen) und schon gar kein UMTS oder 3G. Auf eine profane 8 GB Speicherkarte passt mehr drauf als ich in einem Jahrzehnt lesen kann – bis dahin war ich auch mal wieder am Heimatrechner, vielen Dank auch.

Aber seien wir ehrlich, im Grunde gibt es passende Geräte bereits. Das Display meines HTC Hero ist hell genug zum Lesen, ich benutze darauf eine gut gemachte Reader-Anwendung, die sogar einen Nachtmodus hat, und konvertiere nach ePub mit Calibre. Die Bedienung von Alkido (ich habe die Free Version im Einsatz) läuft mit einem sachten Fingerwischen statt umständlichem Gefummel, allein die Akkulaufzeit und das Display des Smartphone sind etwas mager. Dafür hat ein Smartphone die Funktionen die ich haben will längst drin, inklusive Wifi und sofern gewünscht UMTS – nehmen wir das doch mal grob als Basis. Ich verzichte auf das Telefon und GPS-Modul, es muss nicht so schwer und stabil wie das Hero werden, damit man es leicht in der Hand halten kann ohne einen Krampf zu bekommen. Das Display etwas grösser… basierend auf einem kleinen feinen Android System und ausgestattet mit einem anständigen Flashspeicher, und dann auf Größe eines kleinen Taschenbuchs großgezogen – der für mich perfekte eReader wäre geboren, ja wer es braucht kann auch gleich Kopfhöreranschluss und Audiobooks dazu packen. Aber das sind wohl nur Wunschträume, und wenn, dann kostet so ein Gerät wahrscheinlich mehr als ein Netbook…

Ich würde gern mehr eBooks lesen – und kaufen – aber bis ich ein Endgerät gefunden habe mit dem ich glücklich bin, werden eBooks auch weiterhin nur am Macbook und selten auf dem Hero gelesen. Auf dem ich auch ganz komfortabel Hörbücher hören kann…

7 Responses to "Von einer die auszog sich dann doch keinen Koboreader zu kaufen"

  • Mela sagt:

    Fasst ausgezeichnet zusammen, warum ich nicht im Entferntesten in Erwägung ziehen würde einen Kindle zu kaufen oder einen anderen E-Reader.

    Ich möchte meine Ebooks auch noch beim popeligsten Kleinverlag kaufen können und ich möchte auch Schweinkram lesen können, wenn es mir passt, ohne auf einen Moralwächtershop angewiesen zu sein. Ich möchte EBooks mit meinen Freunden tauschen können, wie ich meine gedruckten Bücher ausleihen kann,

    Ich möchte die Möglichkeit haben einzelne oder mehrere Seiten auszudrucken. Ich möchte nicht auf das “Android Kochbuch” im Shop verzichten müssen weil $SHOPBETREIBER das Konkurrenzsystem totschweigen will. Ich will EBooks aus eigenen Texten erstellen und verteilen können, ohne erst eine Gesinnungskontrolle zu passieren.

    Solange es kein Gerät gibt, dass technisch einwandfrei ist UND mir als Kunden die größtmögliche Freiheit bietet UND bezahlbar ist, wird eben kein E-Reader gekauft. Punkt.

    • Ishtar sagt:

      ein Punkt den ich oben noch vergessen habe: ich will mein Backup da hin spielen wo ich will, was ich lese geht keinen was an, und vor allem: ich will meine Medien deviceunabhängig benutzen und eben auch im Idealfall auf ein mir genehmes Format konvertieren können – nicht nur zum Weitergeben / Tauschen. Was wenn $Geraet den Abgang macht und ich den Hardwareanbieter wechsele?

  • jot*be sagt:

    Ich unterschreib das mal. Hatte gestern das iPad in den Händen – es ist schon fein, aber der “kinder-/familienfreundliche” zentrale Programme-/Spiele/Medienkonsum via klinisch reinem iTunes-Store hält mich bislang davon ab. Wenn Du mal über eine Android-Alternative stolperst, bitte ruhig drüber bloggen/Bescheid geben :)

  • Knutsen sagt:

    Kann man das iPad vielleicht hacken und Linux drauf spielen? ;-) Aber auch dann klingt es als zu überdimensioniert für die gestellten Anforderungen. Im Grunde hat man hiwr wie so häufig die Qual der Wahl zwischen einer überdimensionierten, Eier legenden Wollmilchsau oder einem Spezialgerät, welches die eigenen Wünsche nicht abdeckt. Aber ich vermute stark, daß Touchscreens sich immer mehr etablieren. Vermutlich ist das iBook (ich nehme den Arbeitstitel mal auf, muss ja nicht von Steve sein) nicht fern…

  • simosh sagt:

    Vllt hat Dell da ja ne Marktlücke erkannt?

    http://www.engadget.com/photos/dell-streak-0/#3009772

  • Ich gebs zu: Ich liebe EBooks.
    * Ich lese sie auf dem sparsamen 17″ von Medion, dem ich augenfreundlich genug (mit maximaler dimmung) stundenlang folgen kann.
    * Ich lese sie auf dem Blackberry, selten, kommt aber vor. Neben .doc (via WordToGo) stehen mir über die Reader von Mobipocket, BN eReader, eReader und Shortcovers (Kobo) verschiedene Apps, Leseformate und auch Shops zur Verfügung. Dazu kommen noch die Blackbetty Mobilebooks und Leseproben sowie die mobilen eBooks des Projekt Gutenberg. 3G Internet mit Flatrate, nicht so frei wie beim Kindle aber ich brauche sie eh.
    * Vor allem aber lese ich sie auf dem Palm (Tungsten C) – bessere Tragbarkeit als ein Laptop und bessere Akkulebensdauer als der Blackberry (Storm). Neben .doc .rtf .txt (via DocumentsToGo) stehen mir hier der AdobeReader für PDFs, Mobipocket und der eReader zur Verfügung. Kein UMTS aber WIFI soweit ich in Reichweite bin – ich bin zufrieden.

    Hauptform der EBook-Nutzung: PDFs. Ohne DRM bitte danke. Unter 10€ bin ich bereit dafür zu zahlen. Und natürlich würde ich einen KindleDX oder einen iPad geschenkt nehmen. Kaufen? Heute nicht.



Pings responses :

  • [...] In meinem Solo-Blog habe ich ja schon mal ausgeführt, dass ein Android-Minitablet, mit einem guten Touchscreen bewaffnet, mein idealer EBook-Reader wäre, und tatsächlich glänzt das Samsung in dieser Disziplin, nicht allzu überraschend. Denn neben dem problemlosen Lesen mittels einem Tool wie Aldiko – sorry, Kindle und Kobo-Reader und wie Ihr alle heisst, Knöpfchen drücken doesn’t cut it in the 21st Century – kann man hier natürlich auch superbequem den Feedreader starten oder mal eben was auf einer Website nachlesen ohne sich einen Wolf zu scrollen, Daten synct man bequem vom Basisrechner per Dropbox oder Sugarsync, und proprietäre Software und Book/Mediastores können einem herzlich egal sein. [...]

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